Sie versprechen Rückzug, beschränken den Zugang auf meist sehr sorgfältig Auserwählte und verlangen hohe Jahresgebühren für etwas, was viele Einrichtungen, zumindest oberflächlich betrachtet, ohnehin schon bieten. Dennoch erleben Private Members Clubs eine Renaissance, und Wartelisten, die sich über Jahre erstrecken, sind keine Seltenheit.

Dass dieser Trend auch Österreich erreicht hat, kann Johannes Kattus bestätigen. Der Geschäftsführer der gleichnamigen Sektkellerei eröffnete im Sommer 2022 mit Am Hof 8 einen der ersten Private Members Clubs in Wien. Ähnliche Konzepte gibt es auch in Lech, Kitzbühel oder Graz. „Die Idee ist aus einer Mischung aus persönlichem Bedarf und internationaler Inspiration entstanden“, erzählt er. Während seiner Zeit im Ausland habe er vor allem in London viele Private Members Clubs kennengelernt und zugleich festgestellt, dass ein solches Angebot in Wien noch fehlt. „Daraus ergab sich das Konzept, einen Club zu schaffen, der Arbeit, Netzwerk und soziales Leben verbindet.“ Die Rechnung ging auf, der Andrang war von Anfang an groß. Man achte aber bewusst darauf, nicht zu schnell zu wachsen, um die Qualität und besondere Atmosphäre zu bewahren. „Je nach Zeitpunkt gibt es daher auch eine Warteliste“, erklärt Kattus.

„Uns ist wichtig, dass Mitglieder auch menschlich gut zur Community passen.“ Johannes Kattus, Geschäftsführer Kattus und Am-Hof-8-Gründer
„Uns ist wichtig, dass Mitglieder auch menschlich gut zur Community passen.“ Johannes Kattus, Geschäftsführer Kattus und Am-Hof-8-Gründer Alex Gotter, Am Hof 8

Zweites Wohnzimmer

Clubs dieser Art haben eine lange Tradition. Bereits im 17. Jahrhundert traf man sich hinter verschlossenen Türen, um in Institutionen wie dem White’s Club im Londoner Stadtteil West End zu essen und zu trinken, Freundschaften zu pflegen, neue Kontakte zu knüpfen oder einfach nur dem Alltag zu entfliehen. Bequeme Ledersessel, Bars und Speisesäle gehörten ebenso zur Ausstattung typischer Clubs wie eine Bibliothek, ein Billardzimmer oder Salons für Glücksspiele. Untergebracht waren sie häufig in prachtvollen Gebäuden, die den Charakter eines „zweiten Zuhauses“ vermitteln sollten.

Und selbst innerhalb der von außen gut abgeschotteten Räumlichkeiten gab es neuerlich Bereiche, die nur ganz wenigen und ganz speziellen Mitgliedern vorbehalten waren. Im White’s Club war dies das Bow Window, ein nach außen gewölbtes Erkerfenster im Erdgeschoss mit Blick auf die St. James’s Street. Im frühen 19. Jahrhundert saß hier vor allem der Dandy Beau Brummell, der dank seiner Freundschaft zum späteren König George IV. und seines schlichten Kleidungsstils zur größten britischen Stilikone seiner Zeit avancierte. Vom Fenster aus beobachtete er die Londoner Gesellschaft und entschied mit einem abschätzigen Blick oder Kopfnicken, wer „in“ und wer „out“ war.

Regentropfen und schwarze Kugeln

Die Scheibe, die die Elite vom Rest der Welt trennte, war auch Schauplatz der wohl berühmtesten Wette in der Clubgeschichte. So soll Baron Alvanley 3.000 Pfund, was damals einem Vermögen entsprach, darauf gesetzt haben, welcher von zwei Regentropfen zuerst den Fensterrahmen erreichen würde.

The Cover

Was das „Bow Window“ für den White’s Club war, war die Bar im Ecktürmchen für den Jockey Club im kaiserlichen Wien. Dort kehrte die Oberschicht nach einem Tag auf der Galopprennbahn Freudenau ein, um über Politik und Rennpferde zu diskutieren. Der Zugang war streng geregelt: Neue Kandidaten mussten von bereits bestehenden Mitgliedern vorgeschlagen werden. Die Abstimmung erfolgte mittels schwarzer und weißer Kugeln, wobei oft schon eine einzige schwarze Kugel das Aus bedeuten konnte.

Die Kunst der feinen Auslese

Dass es solche Clubs bis in die Gegenwart geschafft haben, führt Am-Hof-8-Gründer Johannes Kattus auf das gestiegene Bedürfnis nach echten Begegnungen zurück. „Ich glaube, in einer zunehmend digitalen Welt suchen Menschen bewusst nach Orten, an denen sie sich austauschen und vernetzen können. Wenn das Konzept gut umgesetzt ist, sehe ich das definitiv als nachhaltigen Trend.“

The Cover

Wer heute im Wiener Private Members Club aufgenommen werden möchte, muss von zwei aktiven Mitgliedern empfohlen werden. Die finale Entscheidung trifft ein Komitee. „Uns ist wichtig, dass Mitglieder nicht nur beruflich interessant sind, sondern auch menschlich gut zur Community passen. Offenheit, Interesse am Austausch und ein gewisser Qualitätsanspruch spielen dabei eine große Rolle“, sagt Kattus. Allerdings hat dies seinen Preis: Die einmalige Aufnahmegebühr liegt zwischen 1.500 und 5.000 Euro, die laufenden Mitgliedsbeiträge zwischen 80 und 165 Euro. Dafür darf man die Räumlichkeiten, wie etwa Bars, Restaurants, den Weinkeller, das Fitnesscenter sowie mehrere Besprechungs- und Meetingräume, nutzen.

International, modern und divers

Während früher Zigarrenrauch und Altherrenrunden dominierten, setzt man heute auf Diversität sowie auf Networking-Events, Workshops und Kulturveranstaltungen. So auch im Club The Cover in der Wiener Schottenfeldgasse, der bewusst als inklusiver Gegenentwurf konzipiert wurde. „Aktuell weist unsere Mitgliedschaft ein ungefähres 50:50-Verhältnis von Frauen zu Männern auf“, erläutert Myriel Walter, VP Brand, Marketing & Membership der Sircle Collection. „Diese ausgewogene Geschlechterverteilung schafft eine offenere, diversere und kollaborativere Dynamik innerhalb der Community und wirkt sich positiv auf die Qualität des Austauschs und der Netzwerke aus.“

The Cover

Vom richtigen Mix

Nach Barcelona ist Wien der zweite Standort von The Cover, weitere Eröffnungen sind in London und Amsterdam geplant. Die Bundeshauptstadt habe man ausgewählt, weil sie Tradition und Moderne verbinde. Dementsprechend ist die Mitgliedschaft international und kulturell geprägt, zugleich sind im Club aber auch lokale Unternehmer, Kreative und Entscheidungsträger stark vertreten.

„Der größte Vorteil eines Private Members Clubs liegt aus unserer Sicht im Zugang zu einer kuratierten Community sowie zu einem Ort, der beruflichen wie privaten Austausch gleichermaßen ermöglicht“, erklärt Myriel Walter. Darüber hinaus bietet The Cover die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, Inspirationen zu sammeln und hochwertige Veranstaltungen zu besuchen – sowohl lokal als auch international. „Sehr häufig entstehen Kooperationen, neue Geschäftsbeziehungen oder Freundschaften“, sagt auch Johannes Kattus. So hätten Mitglieder, die sich dort kennengelernt haben, bereits gemeinsam Unternehmen gegründet oder Projekte umgesetzt.

The Cover

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum Private Members Clubs sich bis heute gehalten haben: Sie versprechen Rückzug und Exklusivität, schaffen gleichzeitig aber ein starkes Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit und einen Raum für echten Austausch.

„Uns ist wichtig, dass Mit-glieder auch menschlich gut zur Community passen.“

Netzwerk

The Cover

Private Members Clubs punkten nicht nur mit gemütlichem Innenleben: Sie erheben den Anspruch, ihren Mitgliedern privaten und beruflichen Austausch mit Gleichgesinnten zu ermöglichen.

Warum die spannendsten Ideen in kleinen Netzwerken entstehen

Wer auf einer Bühne spricht, schützt seine Position. Wer in einem geschlossenen Kreis aus zehn oder zwölf Personen sitzt, kann sie zur Disposition stellen“, sagt Christoph Herzog, Netzwerker der neuen Generation und Geschäftsführer der exklusiven „100“- Communities. Anders als etwa auf Konferenzen könne man dort offen sprechen und Strategien hinterfragen. „Es geht um eine Form der Orientierung. Auch ein bisschen um produktive Reibung, die im eigenen Apparat strukturell nicht möglich ist“, sagt Herzog.

Christoph Herzog, Geschäftsführer „100“-Communities
Christoph Herzog, Geschäftsführer „100“-Communities Sensation Ahead GmbH

Entscheidend sei vor allem die Zusammensetzung der Runde. „Wenn nur einer am Tisch nicht passt, sinkt die Qualität des gesamten Abends.“ Gleichzeitig brauche es bewusst unterschiedliche Perspektiven, Branchen, Generationen und Geschlechter: „Familienunternehmer neben Start-up-Gründern neben Konzernvorständen neben Investoren. Und dazu gerne noch ein Künstler, der gerade Gas gibt.“ Nicht Homogenität, sondern Heterogenität mache starke Netzwerke aus.

Kuratierte Gesprächsrunden werden weiter an Bedeutung gewinnen, davon ist Christoph Herzog überzeugt. Denn je digitaler und automatisierter die Welt, desto wertvoller werden echte Beziehungen, Vertrauen und persönliche Gespräche in kleinen Kreisen. Und gerade weil Maschinen immer mehr Antworten produzieren, wird die Fähigkeit wichtiger, gemeinsam die richtigen Fragen zu stellen.