World Venture Forum 2026: „Österreichs Obsession mit der Bürokratie schadet dem Standort“
Das World Venture Forum in Kitzbühel bringt jährlich hunderte Investor:innen und Wirtschaftstreibende aus unterschiedlichen Bereichen wie dem Risikokapital, Family Offices oder der Krypto-Ökonomie zusammen. Auf den Themen-Almen wird versucht, Antworten auf die schwierigsten Fragen zu finden. Eine Frage, die sich immer wieder stellt: Wie kann Österreich für Kapitalgeber:innen aus dem Ausland interessanter werden? Als Land erfreut es sich zwar großer Beliebtheit, aber vielen Investor:innen „vergeht die Lust, sich mit der Bürokratie auseinander zu setzen“, wie es Bill Liao, ein australischer Investor beschreibt.
15. Juli 2026 · 4 Min. Lesezeit
World Venture Forum
Wien, 13. Juli 2026 – Unter dem Motto „Vectors of Change“ findet das World Venture Forum bereits zum zwölften Mal in Kitzbühel statt. Einen Wandel muss auch der Wirtschaftsstandort Österreich vollziehen, wenn er mit anderen Regionen auf der Welt mithalten möchte. „Österreich oder Europa generell fehlt die Geschwindigkeit. Wenn man eine Idee hat, wird drei Jahre überlegt und dann probiert. In Israel zum Beispiel wird die Praxistauglichkeit einer Idee sofort überprüft“, verrät Ariel Cohen, Venture Partner bei Aurelius Capital. Dabei gibt es natürlich auch Fehlschläge, aber man läuft nicht Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten. In dieselbe Kerbe schlägt auch der ehemalige Formel 1-Fahrer und 24 Stunden von LeMans-Sieger (2009 mit Alexander Wurz und Marc Gené) und nunmehrige Unternehmer David Brabham aus Australien: „Man kann durchaus Parallelen aus dem Rennsport in die Wirtschaftswelt ziehen: Die Konkurrenz ist da, um dich zu schlagen. Und das wird sie, wenn sie Innovation schneller und besser auf den Markt bringen kann.“
Für Brabham liegt das Erfolgsrezept vor allem in der internationalen Vernetzung und Zusammenarbeit. Unter anderem ein Grund, warum er hier beim World Venture Forum ist: „Ich halte es nicht für gut, dass viele Länder nun ihr eigenes Süppchen kochen wollen. Im Gegenteil, wir müssen wieder mehr zusammenrücken. Und ich sehe aber auch ein Wollen und ein Verlangen danach in der Wirtschaftswelt.“
Zusammenkommen in Österreich
Österreich verfügt über viele Talente und durchaus innovative Ideen, weiß Berthold Baurek-Karlic, Initiator des World Venture Forums. „Was uns fehlt, ist die Möglichkeit diese zu skalieren. Daher wandern viele Start-ups ab und schaffen ihr größtes Wachstum woanders.“ Die gemeinnützige World Venture Forum Stiftung möchte dies ändern. Durch das internationale Netzwerk soll es jungen, österreichischen Unternehmen ermöglicht werden, wachsen zu können, ohne das Land verlassen zu müssen. „Was wir mit dem Event schon schaffen und mit der Stiftung intensivieren wollen: Kapital nach Österreich zu bringen. Insgesamt verwalten unsere Gäste über 50 Milliarden US-Dollar an Vermögen. Dieses Vermögen will investiert werden – und wenn es nach uns geht, in Österreich.“
Der australische Deep-Tech-Investor Bill Liao hat bereits Investments in Österreich, aber ob noch weitere dazukommen, bezweifelt er: „Wenn ich ein Pitch-Deck sehe und Österreich als Heimatland des jungen Unternehmens angeführt ist, muss mich die Idee schon sehr überzeugen, um es nicht gleich in die Tonne zu werfen.“ Wenn es nach Liao geht, ist es nirgendwo so schwer, ein Investment zu tätigen wie in Österreich. Die bürokratischen Hürden seien gemeinsam mit Deutschland und Italien ungleich höher als im Rest der Welt. Würde man die Bürokratie ähnlich gestalten wie in Delaware, USA, und ein ähnlich einfaches Gründungs- und Investitionsmodell etablieren, würde er sogar jedem empfehlen, in Österreich zu investieren: „In Österreich findet man all die positiven Attribute vor, die Deutschland zugeschrieben werden: Genauigkeit, Arbeitswille, Ehrlichkeit, Innovationsfreude und hohe Qualität – ergänzend kommen in Österreich noch ein gewisses Maß an Flexibilität und der Sinn für Humor dazu.“
Attraktivität gewinnen kleinere Märkte wie Österreich oder Kroatien auch am noch nicht genutzten Potenzial. „Als Investorin sind entwickelte Märkte wie Deutschland nicht mehr so interessant. Wenn sogar schon deine Oma von einer Investitions-Möglichkeit weiß, dann wird man als Investorin nicht mehr viel Geld dabei verdienen“, unterstreicht Monika Mikac von N-Vision Capital. „In Südosteuropa oder Österreich hingegen gibt es so viel ungenutztes Potenzial für Wachstum.“
Bitcoin Suisse CEO Majcen: „Hinsichtlich MiCa ist Österreich führend“
Über die letzten Jahre hat sich Wien zur Krypto-Hauptstadt Europas entwickelt und sich Österreich einen Namen gemacht. Die Expansion in das benachbarte Österreich ist für Bitcoin Suisse daher der nächste logische Schritt: „Wir waren einer der ersten Krypto-Finanzdienstleister in der Schweiz und verbinden die Ansprüche an das Private Banking mit der Expertise einer vollkommen neuen Finanzwelt“, erläutert Andrej Majcen von Bitcoin Suisse. Erst vor kurzem erhielten sie ihre MiCa-Lizenz, wodurch ihnen der EU-Markt offensteht. Bezüglich MiCa gibt es auch Lob für Österreich: Vor allem die Umsetzung der Richtlinie durch die Finanzmarktaufsicht in Österreich erfährt viel Lob von internationalen Expert:innen und ist für den Aufstieg als Krypto-Hauptstadt mitverantwortlich.
Baurek-Karlic sieht die Politik gefordert
Um das Problem des fehlenden Kapitals zu lösen, stehen laut dem Experten zwei Wege offen: „Entweder man schafft Anreize für heimische institutionelle Investoren, weniger in risikoarme Anleihen zu investieren und motiviert sie, in innovative Unternehmen aus dem Privatmarkt zu investieren. Oder man bringt, so wie wir es mit dem WVF machen, internationales Kapital nach Österreich“, zeichnet Baurek-Karlic zwei mögliche Szenarien.
In unterschiedlichen Themen-Chalets stehen beim WVF daher auch die neuesten Trends und besten Investitionsmöglichkeiten im Mittelpunkt. Spannende Impulsvorträge, hochkarätig besetzte Podiumsdiskussionen und knallharte Analysen rund um die Themen Krypto, Family Offices, Deep Tech sowie Impact und Corporate Innovation liefern den anwesenden Investor:innen Anhaltspunkte, was nur ein kurzfristiger Trend ist und was nachhaltig unsere Welt verändern wird. Berthold Baurek-Karlic hofft, der Wirtschaftsstandort Österreich bleibt mehr als nur eine Randnotiz: „Wir haben mehr Hidden Champions als jedes andere Land. Ich freue mich darauf, unseren Besucher:innen zu zeigen, dass wir noch das Potenzial für viele weitere haben.“
Das World Venture Forum 2026 fand von 06. Juli bis 11. Juli in und um Kitzbühel statt. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage. worldventureforum.info.