Ein Schauspieler, dem die Auftragsflaute während der Covid-Pandemie die Lebensenergie raubt. Eine junge Mutter, die wenige Tage nach der Entbindung von multipler Sklerose in den Rollstuhl gezwungen wird. Ein lebenslustiger 30-Jähriger, den eine schmerzhafte Hautkrankheit in die Depression treibt. Harte Schicksale, die eines gemeinsam haben: Sie wurden bewältigt. Alle drei haben sich nicht nur ins Leben zurückgekämpft – man sieht ihnen die schweren Krisen auch nicht mehr an.

Wie das möglich ist? Natürlich mit viel Eigeninitiative und profunder ärztlicher Begleitung. Aber, davon sind alle drei fest überzeugt: auch durch die Einnahme von Mikronährstoffen in reinster Form und bei bester Bioverfügbarkeit. Mehr noch: Das sei sogar entscheidend gewesen.

Produziert werden diese orthomolekularen Nahrungsergänzungsmittel von Biogena – einer Salzburger Unternehmensgruppe, die viel schneller wächst als viele Shootingstars. 116 Millionen Euro wurden 2025 umgesetzt. Eine Steigerung von 44 Prozent gegenüber dem vorigen Geschäftsjahr.

Geschichten wie die eingangs erwähnten hört man viele in der Biogena-Kunden-Community, der mittlerweile mehr als eine Million Menschen in 75 Ländern angehören. Und doch sind diese verblüffenden Heilungen nicht der Grund für den atemberaubenden Erfolg des Unternehmens. Sondern eine Folge davon. Auch das allgemeine Interesse an Longevity und die Demokratisierung der eigenen Gesundheitsüberwachung durch kostengünstige digitale Helfer sind nur Rückenwind. Wer die eigentlichen Treiber verstehen will, kommt an Biogena-Gründer Albert Schmidbauer nicht vorbei. Und an seiner Geschichte.

All in

Biogena schafft nicht einfach Geschäfte – sondern Wohlfühlorte für Kunden. In jedem findet sich der „Master Gatherer" (links) als Symbol für Schaffenskraft.
Biogena schafft nicht einfach Geschäfte – sondern Wohlfühlorte für Kunden. In jedem findet sich der „Master Gatherer" (links) als Symbol für Schaffenskraft. Biogena / David Wedenig

Blicken wir also zurück: Der heute 57-Jährige wuchs in Oberösterreich auf. Das Wirtschaftswunder war fast zu Ende, die zentralen Werte blieben und prägten ihn ebenso wie viele seiner in den späten Sechzigern und frühen Siebzigern geborenen Altersgenossen. Eine Generation, die später mit einem X versehen und dem VW-Golf assoziiert werden sollte. Beherrschend waren der Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung, der Wille zum sozialen Aufstieg, der Glaube an die eigene Kraft. Schon früh besserte er sein Taschengeld mit kleinen IT-Jobs auf, erfuhr Selbstwirksamkeit. „Vielleicht der wichtigste Grundstein für meine spätere Haltung“, schreibt er dazu im Buch „Das Prinzip Biogena“ – und entschloss sich zum Studium der Betriebswirtschaftslehre. Selbstbewusst wählt er danach die Selbstständigkeit, wird Unternehmensberater. Eine extrem wertvolle Zeit, meint er im Rückblick: „Ich habe dabei gelernt, wie Unternehmen funktionieren, wie unterschiedlich Unternehmer denken und wie stark Kultur, Führung und Klarheit über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Vor allem habe ich gelernt, Muster zu erkennen – warum manche Organisationen wachsen und andere trotz guter Produkte stagnieren.“

Wissen, das er bald gut gebrauchen konnte. Denn: 2006 kam eine Gruppe von Ärzten auf ihn zu. Diese setzten auf damals in den USA schon populäre Nahrungsergänzungsmittel, die hierzulande noch absolutes Neuland waren. Also organisierten sie die Herstellung selbst, um ihre Patienten zu versorgen. Eine Aufgabe, die ihnen langsam über den Kopf wuchs. Albert Schmidbauer sprang ein. „Ich habe früh gespürt, dass hier etwas Großes entsteht – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich.“ Es war die Geburtsstunde von Biogena.

Keine leichte Aufgabe. „Gerade in den ersten Jahren war vieles unsicher. Orthomolekulare Medizin war damals im deutschsprachigen Raum ein Nischenthema und wurde teilweise sogar belächelt.“ Er setzte trotzdem alles auf eine Karte, hängte die erfolgreiche Beraterkarriere an den Nagel, löste Sparbücher auf, machte Vorsorgeimmobilien zu Bargeld und borgte sich bei Verwandten und Freunden und bei seinen Eltern Geld.Dazu gehört viel Mut. Dieser zählt heute noch zu den zentralen Werten seines Imperiums. Hatte er nie Angst zu scheitern? „Rückblickend war es wahrscheinlich weniger Mut als vielmehr ein tiefes Gefühl von Sinn“, sagt Schmidbauer heute. Und natürlich hinterfragte er die Richtigkeit seiner Entscheidung: „Wer gründet und behauptet, nie gezweifelt zu haben, erzählt wahrscheinlich nicht die ganze Wahrheit.“ Zumal er anfangs kaum Neukunden gewann. Nahrungsergänzung blieb im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends hierzulande weiterhin Esoterik oder gefährliches Hobby von Bodybuildern. Aber: „Wenn man das Gefühl hat, an etwas zu arbeiten, das wirklich relevant ist, entwickelt man eine enorme Energie und Ausdauer.“ Schmidbauer bewies sie in Form ausgedehnter Touren durch den deutschen Sprachraum. Fleiß ist eben auch eine der zentralen Eigenschaften des heute so erfolgreichen Unternehmers. Ebenso wie Hartnäckigkeit. Denn nicht nur einmal wurde ihm die Tür gewiesen. Er besuchte Hunderte Ärzte, präsentierte unablässig Studien zu Nährstoffmängeln und deren gesundheitlichen Folgen. Und argumentierte mit der Reinheit sowie exzellenten Bioverfügbarkeit seiner Biogena-Mikronährstoffe. Sie könnten diese Defizite beheben.

Getrieben von der „starken inneren Überzeugung, dass Gesundheit, Prävention und Mikronährstoffe massiv an Bedeutung gewinnen würden“, ließ sich der Jungunternehmer nicht unterkriegen. Mehr noch: Er war schon damals überzeugt, dass die Welt am Beginn eines neuen Kondratjew-Zyklus steht. Nach dem seit den 70er-Jahren angebrochenen Informationszeitalter würde es endlich nicht mehr um Maschinen und Technologien gehen. Sondern um den Menschen selbst. Und damit um sein Wohlbefinden.

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Schwarze Zahlen

Abertausende Kilometer und viele einsame Nächte in billigen Kettenhotels später begann die Ablehnung zu bröckeln. Langsam griff die Erkenntnis: Die moderne Ernährung verursacht Mängel an Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen. Das führt zu Erkrankungen. Um diese zu verhindern, braucht es Supplementierung – also die Zufuhr konzentrierter Dosen dieser Mikronährstoffe. Biogena hatte die passenden Produkte parat.

Aber war trotzdem noch lange nicht über dem Berg. Auch wenn Schmidbauer heute stolz ist, dass „wir in keinem einzigen Jahr Verluste gemacht haben“. Das Problem: Die Globalisierung kurbelte nicht nur die österreichische Exportwirtschaft an. Sie brachte auch eisigen Gegenwind in Form von Billigimporten. Nicht nur aus Fernost. Aus allen Teilen der Welt schwappten plötzlich billige Wundermittel mit ebenso großen wie unhaltbaren Versprechen nach Österreich.

Biogena wählte eine andere Strategie. Keinen Preiskampf, sondern Premium-Produkte. Was leicht klingt, aber schwer umzusetzen ist. Schmidbauer schuf deshalb eines der modernsten Unternehmen – nicht nur im heimischen Vergleich. Der wohl zentralste Baustein: Biogena hat keine Kunden, Mitarbeiter, Investoren oder Lieferanten. Sondern Communitys. Der wesentliche Unterschied: Erstere suchen nach der Maximierung des eigenen Vorteils. Communitys hingegen suchen in ihren Partnerschaften nach tieferem Sinn. Um diesen finden zu können, braucht es ein gemeinsames Ziel. Bei Biogena ist es: Gesundheit als Lebensprinzip. Für Schmidbauer ist das nicht einfach ein Mission-Statement. Sondern innere Überzeugung – und damit der Bauplan für sein heute zur Gruppe gereiftes Unternehmen.

Er ist bis ins kleinste Detail stimmig. Ein gutes Beispiel: Dem Vorurteil der Esoterik begegnet man bei Biogena mit robust belegten Fakten. Es gibt keine unerfüllbaren Heilversprechen, keine mystische Verklärung mittelalterlichen Wissens. Sondern Wissenschaft. Ein eigenes Science-Team screent die weltweite Studienlage, prüft deren Qualität und Zuverlässigkeit. Nur die interessantesten Erkenntnisse mit klarem Nutzen für die menschliche Gesundheit werden in Biogena-Produkte verwandelt. Als zusätzliche Stütze dient auch hier eine Community: Ihr gehören 30.000
Ärzte, Therapeuten, Laboratorien und wissenschaftliche Einrichtungen an, die mit Biogena zusammenarbeiten. Und damit einen Know-how-Schatz anhäufen, der im Bereich Mikronährstoffe und Longevity mit milliardenschweren Big-Pharma-Riesen mithalten kann.

Biogena / David Wedenig

Die Extrameile

Beispiel zwei: die Produktqualität. Einer der Hauptkritikpunkte von Medizinern an der Nahrungsergänzung ist die mangelnde Standardisierung: Die Quantität der Wirkstoffe unterscheide sich von Kapsel zu Kapsel. Was auf Billiganbieter zutrifft, kann bei Biogena nicht passieren. Schmidbauer ist dem Reinsubstanzenprinzip verpflichtet. Das heißt: In eine Kapsel von Biogena kommt nur, was wirkt. Und nichts anderes: keine Füllstoffe, keine Geschmacksstoffe. Es gibt auch kein Dropshipping, wo dubiose Hersteller aus Billiglohnländern im Namen des Auftraggebers direkt an Kunden verschicken. Biogena produziert in Österreich, verzichtet auf Industrialisierung und setzt lieber auf Spezialisten, Handarbeit und zeitraubende Manufakturprozesse. Wer es nicht glaubt, kann im Salzburger Koppl über riesige Glasfenster die in keimfreie Masken gehüllten Mitarbeiter dabei beobachten, wie sie die Kapseln befüllen – und dabei strengste Hygienevorschriften umsetzen. Der Fokus liegt auf Qualität: Jede Charge wird von unabhängigen Experten überprüft. Natürlich ist auch die Herstellung zertifiziert: Aber nicht nach der gängigen Norm ISO 22000, sondern der viel strengeren FSSC 22000 (Food Safety System Certification). Dass die Produkte zudem höchsten Nachhaltigkeitskriterien gerecht werden, geht dabei fast unter: So sind etwa die mittlerweile als Statussymbol in jedem gehobenen Haushalt sichtbar platzierten Biogena-Dosen nicht aus Plastik, sondern aus Abfällen der Zuckerrohrverarbeitung hergestellt. Ähnliche Nachhaltigkeitsstandards gelten sogar für Kisten und Container, die nur intern im Produktionsprozess verwendet werden. Für den Schutz einer Futterwiese des streng geschützten Wiesenkopf-Ameisenbläulings pfiff man sogar die Architekten zurück und ließ die heute schon ikonische Firmenzentrale im Salzburger Vorort Koppl umplanen. Dass bei der Auswahl von Rohstofflieferanten auf Eins-a-Qualität in Form von Markenrohstoffen geachtet wird, scheint dabei schon ganz selbstverständlich. Trotzdem spricht man nicht groß darüber. Weil sich Biogena kein grünes Mäntelchen umzuhängen braucht – die komplette Garderobe ist nachhaltig.

Es ließen sich noch viele weitere solche Beispiele finden. Etwa die bewusste Gestaltung der Stores und Biogena-Plazas: Es sind keine Geschäfte, sondern Wohlfühlorte. Man kann mit Albert Schmidbauer sehr lange über Architektur, Einrichtung und deren Auswirkungen auf Aufenthaltsqualität in Räumen diskutieren. All diese Details machen Biogena zum Leitstern im Longevity-Universum. Aber sie kosten auch viel Geld. Andere Unternehmen diskutieren über Kostenbremsen und Effizienzprogramme – tickt Biogena auch in diesem Punkt anders? Der gelernte Betriebswirt Schmidbauer widerspricht: „Ein Unternehmen ohne funktionierende Zahlen bleibt langfristig nicht handlungsfähig. Auch bei Biogena beschäftigen wir uns intensiv mit Produktivität, Einkauf, Deckungsbeiträgen, Skalierung und Effizienz.“ Nachsatz: „Aber ich glaube, dass viele Unternehmen heute zu eindimensional geführt werden. Wenn ausschließlich kurzfristige Gewinnmaximierung im Mittelpunkt steht, verliert man oft Innovationskraft, Kultur und langfristige Kundenbindung.“ Wirtschaftlichkeit und Sinn sind für ihn kein Widerspruch. „Im Gegenteil: Unternehmen, die Vertrauen aufbauen, Qualität liefern und echte Relevanz schaffen, sind langfristig oft wirtschaftlich erfolgreicher.“ Er ist deshalb überzeugt, dass „Unternehmen künftig stärker ganzheitlich gedacht werden müssen – als Systeme, die wirtschaftliche Stabilität, menschliche Entwicklung, Gesundheit, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Beitrag miteinander verbinden“.

Die Folgen

Qualität hat Vorrang: Biogena hat mit Kaizogena Q den Weg der ständigen Verbesserung aus der japanischen Philosophie für seine österreichischen Produktionsstätten adaptiert.
Qualität hat Vorrang: Biogena hat mit Kaizogena Q den Weg der ständigen Verbesserung aus der japanischen Philosophie für seine österreichischen Produktionsstätten adaptiert. Biogena / David Wedenig

Schon wieder so ein Satz, der Lehrbuchqualität hat. Und der elegant beschreibt, wie erfolgreich Schmidbauers Maximen sind. Seit der Gründung wächst Biogena jährlich um durchschnittlich 26 Prozent, die EBITDA-Marge liegt über 20 Prozent, man beliefert Kunden in 75 Ländern und ist in sechs deutschen Städten ebenso mit eigenen Flagship-Stores vertreten wie in Los Angeles, London, Dubai, Tirana, Tallinn und Zagreb. Braucht es Finanzierungen, liefert man sich nicht Banken aus oder gibt Anteile an gewinngetriebene Investoren ab, sondern legt Anleihen auf. Die Community zeichnet sie innerhalb von Stunden. Auch Mitarbeiter für die rasche Expansion werden schnell gefunden. Weil die HR-Abteilung keinen Purpose suchen muss. Er steckt ohnehin in der DNA des Unternehmens. Schmidbauer lebt es vor: Er ließ sich sogar das Firmenlogo tätowieren. Die Message kommt an: Bei Biogena arbeitet man nicht wegen des Gehalts, sondern aus Überzeugung. Auch ein Teil der unsichtbaren Rendite, die Communitys abwerfen.

Die Pläne

Heute, zum 20-jährigen Firmenjubiläum, blickt Schmidbauer nur halbherzig zurück. Zu viel hat er noch vor: etwa die Forcierung der weltweiten Expansion. Und den Ausbau der Geschäftsfelder: Schon
heute gibt es abseits von Kapseln mit Mikronährstoffen eine ganze Reihe von medizinischen Leistungen und Therapieangeboten in den Biogena-Plazas zu haben. „Menschen suchen heute nicht nur Produkte, sondern Orientierung, Motivation und sinnvolle Gesundheitsroutinen. Deshalb entwickeln wir Biogena als Gesundheits-Ökosystem. Dazu zählen Diagnostik, digitale Tools, Gesundheitsbildung, Corporate Health, Stores & Plazas, Community-Ansätze, womöglich auch touristische oder regenerative Gesundheitsangebote“, erklärt der umtriebige dreifache Familienvater. An der Finanzkraft werden die Vorhaben jedenfalls kaum scheitern. Denn Schmidbauer plant den Börsengang. Nicht als Exit, er will die Mehrheit behalten: „Kapitalmärkte können auch positiv wirken – wenn sie Unternehmen ermöglichen, langfristig zu investieren, Innovationen voranzutreiben und größere Wirkung zu entfalten.“ Was er dafür braucht: „Investoren, die unsere langfristige Vision verstehen. Menschen, die erkennen, dass Gesundheit, Prävention und Wellbeing zu den großen Zukunftsmärkten gehören, die je nach Region zwischen sieben und zwölf Prozent per anno wachsen, und das zumindest für die nächsten zehn bis 20 Jahre.“ Er wird sie sicher finden. Und daraus eine neue Community bilden.