Irans Sperre der Straße von Hormus, einer der bedeutendsten Handelsrouten für Öl und Gas weltweit, hat unmittelbare Auswirkungen auf Angebot, Preise und in weiterer Folge auf die Inflationsentwicklung. Solche und ähnliche geopolitische Entwicklungen sind gekommen, um zu bleiben – und meist schwer vorhersehbar. Finanzexperten raten Anlegern daher eher zur Bildung resilienter Portefeuilles als zu Reaktionen auf kurzfristige Marktbewegungen.

Breiter aufstellen, das ist die Devise

Zwar rechnen viele mit einem Anstieg der Inflation, beobachten aber dennoch ein Umfeld, das Chancen bietet, vor allem durch gute Wirtschaftsdaten in den USA. So zum Beispiel ist der deutsche Vermögensverwalter DJE Kapital derzeit relativ stark investiert und bleibt mittelfristig konstruktiv. „Die schnelle Erholung im April hat gezeigt, dass auch eine sehr defensive Positionierung Opportunitätskosten mit sich bringen kann“, sagt Sales Director Jörg Peter Kroll. Franklin Templeton teilt diese Ansicht. „Wir sehen weniger den Wunsch, komplett aus Risikoanlagen auszusteigen, sondern eher eine stärkere Nachfrage nach robusteren Portfolios, laufenden Erträgen, realen Vermögenswerten, Rohstoffbeimischungen, Infrastruktur und breiterer regionaler Diversifikation“, bringt es Karl Banyai, Sales Director in Österreich, auf den Punkt. Die Schlussfolgerung laute nicht „defensiv um jeden Preis“, sondern „bewusst breiter aufstellen“. Für Flossbach von Storch geht es letztlich darum, ein Portefeuille so zu konstruieren, dass es zum Nervenkostüm des Anlegers passt. „In unserem Falle heißt das vor allem: Diversifikation – sowohl was Anlageklassen als auch was Währungsräume und Branchen betrifft“, betont Roland Sinkovits, Head of Sales Austria.

Roland Sinkovits, Flossbach von Storch: „Diversifikation – sowohl was Anlageklassen als auch was Währungsräume und Branchen betrifft.“
Roland Sinkovits, Flossbach von Storch: „Diversifikation – sowohl was Anlageklassen als auch was Währungsräume und Branchen betrifft.“ Flossbach von Storch

Assetklassen-Mix mit Gold bevorzugt

Resilienz im Depot, so der deutsche Vermögensverwalter, erreiche man durch Risikostreuung und qualitativ gute Anlagen. Als wichtiger strategischer Baustein empfehle sich zudem ein Anteil von etwa zehn Prozent nicht-physisches Gold. So eine Mischung ist zum Beispiel in der Fondsreihe Flossbach von Storch - Multi-Asset Defensive, Balanced oder Growth enthalten. „Je nach Risikoneigung kann der Anteil der aussichtsreichsten Anlageklasse Aktien entsprechend höher oder niedriger gewählt werden. Es gibt auch flexible Portfolios, wie unseren Flossbach von Storch - Multiple Opportunities II, der den Aktienanteil im Anlagenmix je nach Marktlage anpasst.“ Gold, als ein Absicherungsinstrument von vielen, gilt bei Franklin Templeton als strategisches und taktisches Anlagevehikel. Als Ergänzung könne man z. B. den Franklin Gold and Precious Metals Fund in Betracht ziehen, der in Unternehmen entlang der Edelmetall-Wertschöpfungskette investiert. Gold hat jedoch nicht nur seine Rolle als Safe Haven erfüllt, DJE Kapital zufolge hat es außerdem positive Beiträge zum Gesamtportfolio beigesteuert. „Mittel- bis langfristig sorgen unveränderte fundamentale und strukturelle Treiber – von fiskalischen Herausforderungen in den USA über eine „Entdollarisierung“ und Reserve-Diversifizierung bis hin zu steigenden globalen Schulden – für ein weiterhin klar unterstützendes Umfeld für Gold“, ist Kroll überzeugt.

Unternehmensperlen gefragt

Für Gerald Pistracher, Investor Relations Österreich von der Aktienfondsboutique Comgest, steht die Qualität der Unternehmen und die Nachhaltigkeit ihrer Geschäftsmodelle im Vordergrund. „Nach Jahren außergewöhnlicher Liquidität und sehr niedriger Zinsen befinden wir uns nun in einem Marktumfeld, in dem Fundamentaldaten wieder stärker zählen. Investoren sollten unserer Ansicht nach daher selektiv vorgehen und auf Unternehmen setzen, die dauerhaftes Wachstum, hohe Kapitalrenditen und robuste Geschäftsmodelle bieten.“ Die USA bleiben für den aktiven Fondsmanager aufgrund ihrer Innovationskraft, Kapitalmarkttiefe und der führenden Rolle vieler globaler Technologieunternehmen weiterhin ein attraktiver Markt. Europa werde dagegen häufig unterschätzt, obgleich viele europäische Qualitätsunternehmen über starke globale Marktpositionen, stabile Cashflows und attraktive Bewertungen verfügten, was in einem volatileren Marktumfeld ein wichtiger Vorteil sein könne. Laut Comgest bieten auch Schwellenländer vermehrt selektiv interessante Chancen – insbesondere dort, wo strukturelles Wachstum, eine wachsende Mittelschicht und zunehmende Digitalisierung zusammentreffen.

Gerald Pistracher, Investor Relations Manager Comgest: „Wir befinden uns nun in einem Marktumfeld, in dem Fundamentaldaten wieder stärker zählen.“
Gerald Pistracher, Investor Relations Manager Comgest: „Wir befinden uns nun in einem Marktumfeld, in dem Fundamentaldaten wieder stärker zählen.“ Jendrick Steffens

KI-Thema bleibt im Fokus

Selbst wenn zurzeit klassische defensive Geschäftsmodelle wie Konsumgüter, Getränke, Gesundheit und Versorger sowie, passend zum stagflationären Umfeld, Unternehmen aus den Sektoren Energie und Rohstoffe auf Anlegerinteresse stoßen, bleibt künstliche Intelligenz eines der dominierenden Investmentthemen – da sind sich die Experten einig. Wie Banyai glaubt, stellt dies aber keinen Freifahrtschein für jede Wachstumsaktie dar.

Karl Banyai, Franklin Templeton Austria GmbH: „Stärkere Nachfrage nach robusteren Portfolios, laufenden Erträgen und realen Vermögenswerten.“
Karl Banyai, Franklin Templeton Austria GmbH: „Stärkere Nachfrage nach robusteren Portfolios, laufenden Erträgen und realen Vermögenswerten.“ Jendrick Steffens

„Anleger sollten zwischen Infrastruktur, Halbleitern, Plattformen, Software, industrieller Anwendung und tatsächlichen Produktivitätseffekten unterscheiden.“ Auch Innovation ist weiterhin gefragt, der Franklin Innovation Fund bündelt etwa Themen wie KI, Biotechnologie und digitale Transformation. Bei DNB Asset Management ortet man eine starke Kundennachfrage nach hochwertigen Technologie-Engagements, insbesondere in den Bereichen künstliche Intelligenz, digitale Infrastruktur und skalierbare Softwareplattformen. „Infolgedessen rückt der DNB Technology Fund zunehmend in den Blickpunkt. Die Strategie bietet ein selektives Exposure gegenüber globalen Technologieführern im gesamten KI-Ökosystem, einschließlich Plattformen, Cloud-Infrastruktur, Halbleitern und hochwertigen Softwareunternehmen“, erläutert Malte Kirchner, Head of German-speaking Europe. Nach Ansicht von TEQ Capital, der Fondsboutique mit dem Hauptaugenmerk auf disruptive Technologien, ist KI eine Jahrhundert-Technologie, die die Weltwirtschaft über die nächsten Jahre massiv verändern wird und daher eine intelligente Sonderrolle im Portfolio verdient. Neuerdings setzt man auf das Zukunftsthema künstliche allgemeine Intelligenz (Artificial General Intelligence, AGI). Derzeit intensiv beforscht, soll sie eines Tages in der Lage sein, komplexe Probleme zu lösen, kritisch zu denken und kognitive Funktionen auszuüben. „Wir haben im Januar mit dem TEQ - General Artificial Intelligence UCITS ETF die Wertschöpfungskette der AGI investierbar gemacht, ganz fokussiert und zugleich diversifiziert. Der KI-ETF bildet den von uns aktiv betreuten, proprietär entwickelten TEQ - General Artificial Intelligence Index passiv ab, der bereits im Dezember 2024 lanciert wurde. Es sind bis zu 100 Unternehmen, von KI-Entwicklern selbst über die relevanten Spieler aus der Halbleiterindustrie und Datencenter-Infrastruktur bis hin zu Cybersecurity-Unternehmen, enthalten“, erklärt Chief Sales Officer Mike Judith.

Malte Kirchner, DNB Asset Management: „Der DNB Technology Fund bietet ein selektives Exposure im gesamten KI-Ökosystem.“
Malte Kirchner, DNB Asset Management: „Der DNB Technology Fund bietet ein selektives Exposure im gesamten KI-Ökosystem.“ DNB AM
Mike Judith, TEQ Capital: „Wir haben die Wertschöpfungskette der Artificial General Intelligence investierbar gemacht.“
Mike Judith, TEQ Capital: „Wir haben die Wertschöpfungskette der Artificial General Intelligence investierbar gemacht.“ TEQ Capital