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Weltfrauentag: Warnung vor Geld-Irrtümern

Mit vielen traditionellen Rollenbildern wurde schon vor einer ganzen Weile aufgeräumt. Vorbei sind die Zeiten, in denen Frauen um Wahlrecht oder freie Berufsausübung kämpfen mussten. Aber der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit scheint auch heute noch weit. Zu viele Frauen verlassen sich in Partnerschaften und Ehen auf den Mann – und haben deshalb im Falle von Trennungen oder Todesfällen das Nachsehen. Schlechte Bezahlung, geringe gesellschaftliche Anerkennung im Beruf, Armutsfallen durch Alleinerziehung oder Teilzeitanstellung, psychische Krisen durch Mehrbelastungen und unfaire Arbeitsbedingungen bringen in der modernen Gesellschaft immer noch viele Frauen an ihr Limit. Als zertifizierte Finanzplanerinnen, die ehrenamtlich für den Verband Financial Planners tätig sind, setzen sich Sonja Ebhart-Pfeiffer und Eva-Maria Weidl tagtäglich mit den finanziellen Herausforderungen von Frauen auseinander. Anlässlich des Frauentages räumen sie mit vier gängigen Geld-Irrtümern auf und verraten, wie Frau gegensteuern kann. 

Die Ehe als Altersvorsorge

Glückliche Kindheit, gute Bildung, Traumpartner, Eigenheim, Nachwuchs – und dann: Arbeit von Voll- auf Teilzeit reduziert. So sehen auch heute noch typische Stationen im Leben einer Frau aus. Statt die eigene Zukunft finanziell abzusichern, polstert sie fortan das Konto für den Nachwuchs auf und verschiebt die eigene Vorsorge oft auf den Sankt-Nimmerleins-Tag. Dabei möchten Frauen laut eigener Aussage in Geld-Fragen unabhängig sein. In Wirklichkeit aber sind einer Studie der Erste Bank zufolge 6 von 10 Frauen finanziell von einem Mann als Hauptverdiener abhängig. Statistik Austria zufolge wird in Österreich mittlerweile fast jede zweite Ehe geschieden. „Das böse Erwachen folgt meist im Falle einer Trennung oder einem Todesfall, wenn Frauen ohne Geld dastehen und nicht wissen, welche Verträge, welche Schulden vorhanden sind oder sogar, wo die entsprechenden Unterlagen zu finden sind“, weiß Ebhart-Pfeiffer, die hauptberuflich bei Finum Private Finance als Beraterin tätig ist. Österreich hat immerhin die viertgrößte Pensionslücke innerhalb der EU-Staaten. Die Alterseinkommen der Frauen über 65 sind im Schnitt um 39,5 Prozent niedriger als jene der Männer. Die Finanzberaterin rät, ab dem Moment, in dem Frauen ihrem ersten Vollzeit-Job nachgehen, monatlich zehn bis 15 Prozent des Nettoeinkommens für die Pension zur Seite zu legen. Weidl, die hauptberuflich als Leitung Family Wealth im Bankhaus Carl Spängler tätig ist, ergänzt: „Je jünger eine Frau ist, desto weniger muss sie pro Monat ansparen, um den Lebensstandard im Alter zu halten. Beim Fondssparen beispielsweise sind 50 Euro pro Monat schon genug, um über Jahrzehnte einige zehntausend Euro auf der hohen Kante zu haben. Führen Sie einen monatlichen Haushaltsplan und identifizieren Sie gezielt Ausgaben, auf die Sie verzichten können.“

Baby-Rucksack unterschätzen 

Die Kindererziehung ist in Österreich immer noch Frauensache. Auch wenn die Vaterkarenz in den letzten Jahren zugenommen hat, entfallen nur 4,5 Prozent der genehmigten Anspruchstage des Kinderbetreuungsgeldes auf Männer. Dabei ist es vor allem das Kinderglück, das viele Frauen finanziell ins Strudeln bringt. „Die zwei Karenzjahre fallen gar nicht so sehr ins Gewicht aber eine jahrzehntelange Teilzeitbeschäftigung, nachdem die Kinder größer sind, reißt ein riesiges Loch in die Pensionskasse. Denn die Pension wird neben der Anzahl an Berufsjahren auch von der Höhe des Einkommens berechnet. Gleichzeitig werden, oft schon mit Eintritt der Schwangerschaft, alle laufenden Sparpläne in die Altersvorsorge gestoppt. Ein großer Fehler“, warnt Ebhart-Pfeiffer. Sie empfiehlt, die Väter mehr in die Verantwortung zu nehmen, sodass sie innerhalb der Familie einen Ausgleich schaffen und die Sparpläne ihrer Frauen übernehmen. Ermöglicht der finanzielle Rahmen dies nicht, sollte nicht die Vorsorge der Frau eingestellt werden, sondern beide Vorsorgen in gleichem Verhältnis zurückgefahren und sobald wie möglich wieder aufgestockt werden. Der Finanzplanerin zufolge gäbe es eine weitere Möglichkeit, die in Österreich noch viel zu wenig genutzt wird. In der gesetzlichen Pensionsvorsorge kann ein sogenanntes Pensionssplitting beantragt werden, wenn der Mann erwerbstätig ist und der Frau die Betreuung der gemeinsamen Kinder obliegt. Die Frau erhält vom Kalenderjahr der Geburt bis zum siebenten Lebensjahr des Kindes eine Pensionsteilgutschrift von den Pensionsansprüchen des Partners, die ihre eigene Pension erhöht. Der Antrag muss bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr des jüngsten Kindes gestellt werden. „Das Pensionssplitting soll im neuen Regierungsprogramm verpflichtend werden. Das würde die Pensionslücke zumindest teilweise entschärfen“, meint sie. 

Dein Geld, mein Geld – unser Geld 

Generell gilt: Je länger eine Partnerschaft dauert, desto mehr spielt Geld eine Rolle. Während die meisten anfänglich ihre Finanzen noch selbst verwalten, kann sich die Lage nach Lebensereignissen wie der Geburt von Kindern oder der Anschaffung einer gemeinsamen Immobilie ändern. Ein gängiger Weg ist ein Gemeinschaftskonto, egal ob verheiratet oder nicht. Hier gibt es allerdings einige Punkte zu beachten. „Ich empfehle jeder Frau, ihr Einzelkonto zu behalten und sich ihr Gehalt dorthin überweisen zu lassen. Ausgaben wie Miete, Stipendien für Kinder und Urlaub kann ein Paar mit einem gemeinsamen Konto bestreiten“, rät Weidl. Ein Hauptargument ist die Transparenz. Kommt es zu einer Trennung, kann schnell eruiert werden, wer über die Jahre hinweg was beigetragen hat. Viele gehen dabei davon aus, dass jedem die Hälfte gehört, was aber nicht so sein muss. Entscheidend sei, wer wie viel einzahlt. Wenn das Konto überzogen ist, haften beide jedenfalls mit der Höhe der Gesamtschulden. Auch im Ablebensfall würde sich ein Gemeinschaftskonto bezahlt machen, da der Hinterbliebene vollen Zugriff erhält. Einzelkonten hingegen werden gesperrt, bis der Nachlass geregelt ist.

Vorsicht an falscher Stelle 

So trivial es auch klingt: Sich einmal mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen, ist das erste und oberste Gebot – denn ohne finanzielle Sorgen und Abhängigkeiten lebt es sich jetzt und in Zukunft besser. Den beiden Expertinnen zufolge hält Frauen oft das mangelnde Wissen in Bezug auf Geldanlage und Kapitalmärkte davon ab. Dabei sei die Aneignung von Basis-Knowhow in Geldfragen gerade vor dem Hintergrund von steigenden Sparquoten und Rekord-Inflation wesentlich. Die beiden Finanzexpertinnen beobachten, dass Frauen in der Geldanlage deutlich konservativer agieren als Männer. „Ein risiko-averses Anlageverhalten ist per se nicht schlecht, führt aber in extremer Ausprägung dazu, dass nur sehr geringe oder gar keine Erträge erwirtschaftet werden. Gemeinsam mit der Finanzberaterin oder dem -berater sollte eine Strategie festgelegt werden, die zu den jeweiligen finanziellen Zielen und Verhältnissen passt“, so Ebhart-Pfeiffer. Als Notgroschen für finanzielle Engpässe empfiehlt sie zwei bis drei Nettomonatsgehälter – der Rest sollte möglichst investiert werden.