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Reise – High Life auf hoher See

Was sind eigentlich Ultra-Luxus-Kreuzfahrten? Worauf kommt es an? Wer sind die besten Anbieter? Was kostet eine Seereise in der obersten First-Class-Liga? Sind Luxuskreuzfahrten „billiger“, als man denkt? Das Wichtigste über anspruchsvolles Reisen auf hoher See auf einen Blick.  Text: Karl Riffert

Die „Carinthia VII“, die kürzlich verkaufte Luxusjacht der verstorbenen österreichischen Milliardärin Heidi Horten, soll bei der Anschaffung 140 Millionen Euro gekostet haben und hatte gerade einmal Platz für 14 Passagiere, 40 Crew-Mitglieder, einen Bentley und einen Helikopter.

Was heute Megajachten sind, waren früher Kreuzfahrten: ein Vergnügen, das nur einem kleinen Kreis vorbehalten war. Später wurde daraus ein Massengeschäft, wo Schiffe wie Wonders of  the Seas mit Platz für knapp 7.000 Passagiere und 2.400 Crewmitglieder eher Sozialwohnungen mit angeschlossenem Rummelplatz gleichen, allerdings zu sensationell niedrigen Preisen. Aber es gibt auch einen Markt für Anspruchsvolle, für luxuriöse Seereisen. Als Faustregel kann man sagen, ein Tag auf einem Luxuskreuzfahrtschiff kostet so viel wie eine Woche auf einem Costa- oder Aida-Schiff. Was aber macht denn nun den Unterschied aus?

Ultra-Luxury Cruises, wie sie im Englischen heißen, sind keine Massenveranstaltung, sondern Verwöhnreisen für wenige. Die Schiffe sind unvergleichlich kleiner, intimer und hochwertiger ausgestattet. Eine Seacloud II hat maximal 94 Gäste, eine SeaDream-Jacht zählt 56 Kabinen für höchstens 112 Gäste, die Silver Wind, ein herrliches Expeditionsschiff von Silversea, lässt gerade einmal 275 Passagiere an Bord, die viel gerühmte Europa 2 höchstens 500 Gäste. Der Vorteil kleiner Luxusschiffe liegt nicht nur darin, dass man sich an Bord oft fast wie auf einer Jacht fühlt, die Schiffe können ins „Herz einer Destination“ einfahren, also an schönen Stellen anlanden, die großen Massendampfern verwehrt bleiben. Die Kabinen sind wesentlich größer, einige Reedereien haben überhaupt nur mehr Suiten auf den Schiffen. Gäste werden häufig mit einem Butlerservice verwöhnt und die Kulinarik spielt sich auf einer anderen Ebene ab. Die Passagiere können in der Topliga täglich Kaviar genießen, wenn sie möchten. Kostenlos. Kredenzt werden erstklassige Weine und Marken-Spirituosen,  ohne dass eine saftige Rechnung folgt. Und In-Suite Dining ist selbstverständlich auch ohne jeden Aufpreis möglich. Einfach dem Butler Bescheid sagen. Auf Wunsch wird man zum Beispiel bei Silversea auch gerne schon zu Hause abgeholt und direkt zum Flughafen gebracht. Natürlich sind Luxuskreuzfahrten teuer, man bewegt sich auch in einem entsprechenden Gäste-Biotop, und doch sind sie in gewisser Weise sogar „billiger“, als man denkt.

All-inclusive

Während man auf „günstigen“ Schiffen oft sehr vielen „Aufpreisen“ begegnet, vom Steakrestaurant bis zum Trinkgeld und zum Internet, ist in der Luxuskategorie fast alles inkludiert. Oft sind sogar Exkursionen gratis. Aber über Geld wird an Bord von wirklichen Luxusschiffen wenig gesprochen. Vielleicht sind auch deswegen Ultra-Luxus-Kreuzfahrten in der Regel länger als die übliche achttägige Mittelmeerkreuzfahrt. Die Grand Mediterranean Voyage mit der Silver Whisper dauert zum Beispiel 58 Tage. Natürlich kann man auch nur Teilstrecken buchen, aber viele Ultra-Luxury-Fans können vom High Life auf hoher See gar nicht genug bekommen.   ←

Top-Ultra-Luxury-Reedereien und Reisebeispiele

(Richtpreise ohne Gewähr, pro Person, ohne Anreise. Kein Ranking.)

Silversea: Die Seefahrt beginnt an der Haustür

Silversea wurde 1990 als italienische Luxusreederei gegründet und verfügt derzeit über eine Flotte von 13 Schiffen. Diesen Herbst kam das Expeditionsschiff Silver Endeavour  (maximal 200 Passagiere) hinzu, das auch mit zwei Helikoptern und einem U-Boot für sechs wagemutige Passagiere aufwarten kann. Silversea bietet einen inkludierten Private-Executive-Transferservice (Abholung), Butlerservice an Bord, ein fast Eins-zu-eins-Verhältnis von Crewmitgliedern und Passagieren und ein umfassendes All-inclusive-Konzept, das auch fast alle Exkursionen miteinschließt. Das italienische Flair der Schiffe ist auf die Gründerfamilie Levebvre zurückzuführen, die ihre Schiffe rechtzeitig vor der Pandemie 2018 um eine Milliarde Euro an Royal Caribbean Cruises verkaufte. Reisebeispiel: Südamerikas Westküste entdecken,
26 Tage, 11.200 Euro/Person.
Wer viel Zeit hat: Grand Voyage 2023 von Pol zu Pol mit der Silver Cloud, 131 Tage, 82.800 Euro pro Person. www.silversea.com

SeaDream Yacht Club: Wie eine eigene Jacht, nur nicht so langweilig

„Es ist ein Jacht- und kein Kreuzfahrterlebnis“, sagt Atle Brynestad, der norwegische Gründer des Clubs, der vom Businessmagazin Forbes schon einmal zur besten Luxus-Boutique-Reederei der Welt gewählt wurde. Tatsächlich fährt man ausschließlich
in Außenkabinen mit maximal 110 Passagieren zur See, um die sich eine 95-
köpfige Crew kümmert. Der 1989 gegründete Yacht Club hat nur zwei Schiffe, die während der Pandemie für fast zwölf Millionen Euro komplett renoviert wurden. Wenn man will, gibt es immer wieder die Möglichkeit, im Meer zu schwimmen,
zu tauchen oder Wasserski zu fahren. Der Dresscode ist entspannt, man kann
auch an Deck im Freien unter den Sternen schlafen. Nachteil: keine Balkone,
eine Jacht eben.
Beispiel: 7 Tage Karibik ab Saint Martin mit Antigua, St. Kitts, Montserrat, St. Barths u. a., 4. bis 11. Februar 2023, 3.999 Euro. www.seadream.com

Seabourn: Suites only!

Die sechs eleganten Schiffe der Seabourn-Flotte, zu denen 2023 noch das Expeditionsschiff Seabourn Pursuit kommen wird, sind auf allen Weltmeeren unterwegs. Man reist in kleinem Kreis – je nach Schiff zwischen 264 und 604 Passagieren – und nur in Suiten. Kaviar auf Wunsch jeden Tag. Ausflüge, spezielle Weine und Internet sind nicht inkludiert.

Beispiel: 15 Tage Amazonas und Rio mit der ganz neuen Seabourn Pursuit ab 9.499 Euro, Oktober bis November 2023. www.seabourn.com

Explora Journeys: Der neueste Luxusanbieter

Explora Journeys wird im Frühling erstmals in See stechen mit dem anspruchsvollen Motto: Homes at Sea. Es ist ein Projekt der italienischen MSC Group, nach der Pandemie ins Luxusgeschäft einzusteigen. Jetzt erst recht, sozusagen. Geplant sind sechs Edelschiffe, das erste, die Explorer I, wird im Mai 2023 vom Stapel laufen. Kreuzfahrten können schon gebucht werden. Das Motto „Homes at Sea“ spiegelt sich in größeren Kabinen wider. Die Explora I hat 461 Suiten, die kleinsten messen 35 Quadratmeter (zum Vergleich: Außenkabinen bei Costa, Aida, TUI etc. sind meist 17 Quadratmeter groß). Alle Kabinen, eigentlich Suiten, bieten Balkon, eine begehbare Garderobe, 24-Stunden-Service und auf Wunsch kostenfreies In-Suite Dining.

Beispiel: Barcelona, Saint-Tropez, Rom, Istanbul, Athen, Santorini u.a.,
17 Tage, Abfahrt 31. Mai 2023, ab 10.250 Euro. www.explorajourneys.com

Ponant: Vive la différence!

Der einzige französische Anbieter von Luxuskreuzfahrten punktet nicht nur mit den Köstlichkeiten der Küche Frankreichs, sondern auch mit den luxuriösesten Expeditionsschiffen auf dem Markt, den sechs Ponant-„Explorer“-Cruisern. Dazu kommen vier elegante „Jachten“ mit maximal 132 Kabinen. Ponant spezialisiert sich mit den Explorern auf den Mix aus Luxus an Bord plus schwer erreichbaren, abgelegenen, aber hochinteressanten Reisezielen, die andere Mitbewerber selten erreichen. Beispiele: der geografische Nordpol, das Weddellmeer, die Peter-I.-Insel, Papua-Neuguinea etc. Mitunter landen Passagiere an Orten an, die weniger Besucher sahen als der Mond Menschen. Von Papua bis Neuguinea, von der Südsee (die MS Paul Gauguin wurde 2019 erworben) bis zur Nordwestpassage in der Arktis, Ponant ist dabei.

Beispiel: „Geheime Inseln der Seychellen“, 13 Tage mit der Jacques Cartier, März, April 2023, ab 8.150 Euro. www.ponant.com

Hapag-Lloyd: Der deutsche Edelklassiker

Die Europa und die Europa 2 gelten vielen als die besten Kreuzfahrtschiffe der Welt. Auf ihnen werden auch spezielle Gourmet-, Musik- oder Golfreisen angeboten. Bordsprache ist Deutsch, der Service makellos, die öffentlichen Flächen an Bord großzügig wie die Kabinen. Dazu kommen die drei Hanseatic-Expeditionsschiffe, die wie Ponant gerne auch einmal ins ewige Eis fahren.

Beispiel: Expedition Antarktis, 20 Tage, Februar 2024 (frühzeitig buchen!), 15.048 Euro. www.hl-cruises.de

Seacloud: Der Seglertraum

Nicht alle Anleger verlieren nach einem Crash. Der steinreiche US-Börsenmakler Edward Francis Hutton ließ sich mitten in der Krise 1931 die größte und luxuriöseste Privatsegeljacht der Geschichte bauen: die Sea Cloud. 1978 erwarb der deutsche Kapitän Hartmut Paschburg das heruntergekommene, aber legendäre Schiff.  Mehr als vier Jahrzehnte später sind daraus die Hamburger „Sea Cloud Cruises“ mit drei Schiffen geworden, den wahrscheinlich schönsten und luxuriösesten Segelbooten der Welt für Kreuzfahrer.

Beispiel: „Exklusive Inseln der Bahamas und üppige Unterwasserwelt“,
9 Tage, März 2023, ab 5.225 Euro. www.seacloud.com