Es muss nicht immer Wohnbau sein

Bei Wohnimmobilien gehen die Preise durch die Decke, die Renditen sinken. Aber in welchen Marktsegmenten sind noch gute Erträge möglich? Wie entwickelt sich der Markt bei Büroimmobilien und Logistikflächen?

Werfen wir einen Blick rund zehn Jahre zurück: Wohnimmobi­lien als Investment? Das war – zumindest unter professionellen Investoren – ein richtiges Tabu. Wer hingegen heute von Immobilien spricht, der denkt meist sofort an den Wohnbau. Aber wie sieht es mit alternativen Assetklassen im Immobilienbereich aus? Und welchen Nischen hat Corona einen regelrechten Boom beschert?

„Wir haben zwei große Themen, die derzeit den Immobilienbereich beeinflussen. Das sind Covid-19 und die Geldpolitik“, erklärt Daniel Jelitzka, Geschäftsführer von JP Immobilien. Aufgrund von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit hätten viele Haushalte ihr erspartes Geld aufgebraucht. „Die Leute wollen Sicherheit und werden in Zukunft daher noch mehr sparen. Das hat Auswirkungen auf den privaten Konsum und somit auf den Einzelhandel“, so Jelitzka. B- und C-Lagen im Einzelhandel, wie die Wiedner Hauptstraße oder die Reinprechtsdorfer Straße in Wien, würden somit stark unter Druck kommen. Auf der anderen Seite ist das Geld für Investitionen in Immobilien derzeit extrem günstig. „Wenn ich als Privater viel Geld auf der Bank habe, muss ich Negativzinsen zahlen. Das bringt viele dazu, zu investieren“, erläutert der Immobilienexperte.

Logistikboom

assets Magazin: Sandra Bauernfeind, EHL Immobilien
Sandra Bauernfeind,
geschäftsführende Gesellschafterin EHL Immobilien.

Eine sichere Rendite versprechen die derzeit boomenden Logistikzentren, die vom Anstieg des Onlinehandels in Corona­zeiten besonders profitieren. Laut einer Umfrage des Gewerbeimmobilienspezialisten CBRE unter institutionellen Immo­in­vestoren in der DACH-Region erwarten 60 Prozent in diesem Segment stabile Preise, rund 35 Prozent der Befragten sind sogar bereit, höhere Angebote zu akzeptieren. Experten sprechen schon von einer „Goldgrube für Investoren“. „Bis vor Kurzem waren Logistikflächen noch kein Investmentprodukt“, bestätigt auch Sandra Bauernfeind, geschäftsführende Gesellschafterin von EHL Immobilien.

Diskussionen gibt es hingegen bei den Büroimmobilien. Während die einen aufgrund von vermehrtem Homeoffice an ein Schrumpfen dieser Flächen glauben, sind andere vom Comeback des Büros überzeugt. „Dieser Bereich entwickelt sich besser, als man denken sollte“, meint auch Bauernfeind. Und Jelitzka ergänzt: „Mit der positiven Stimmung, die nach der Pandemie herrschen wird, werden Büroimmobilien noch attraktiver werden.“

Hotelbranche auf Verliererstraße

Ein sicherer Verlierer der Pandemie ist die Hotelbranche. Dort ist die Nachfrage eingebrochen, da ja auch nicht absehbar ist, wann der Tourismus wieder voll anlaufen kann. „Trotz der schwierigen Situation gibt es derzeit aber noch keine Notverkäufe“, sagt Bauernfeind. Doch auch hier könnte sich die Situation rasch ändern. „Allein in Europa gibt es pro Jahr 700 Millionen Hotelgäste. Die Sehnsucht nach Reisen ist groß. Mit der Impfung wird sich die Lage rasant bessern“, so Jelitzka.

Wohnbau bleibt verlässlich

Bleibt also doch der Wohnbau als „entspannendste und verlässlichste Assetklasse“ im Immobilienbereich, wie der Geschäftsführer von JP Immobilien betont. Denn wer kein Profiinvestor ist, sollte von Logistikflächen und Hotels besser die Hände lassen und sich auf Neubauten und Zinshäuser konzen­trieren. Die Preise werden hier allerdings auch in diesem Jahr weiter steigen, wie eine Umfrage des Beratungsunternehmens EY unter rund 50 aktiven Investoren und Marktteilnehmern in Österreich zeigt. Besonders in Eins-a-Lagen gehen 67 Prozent der Befragten davon aus. Ein Drittel der Umfrageteilnehmer glaubt an eine stabile Entwicklung der Preise.

Auf eine spezielle Geschäfts­nische weist Bauernfeind bei Wohnimmobilien hin. „In den letzten Jahren sind Geschäftslokale in Wohnungseigentumshäusern, die sich im Erdgeschoss befinden und in der Regel an Lebensmittelmärkte vermietet sind, auch für Anleger interessant geworden. Denn besonders Lebensmittelhändler sind krisenresistent und ein stabilisierender Faktor“, erklärt die Immoexpertin.

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