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Folgen die Anleger den Zentralbanken ins Gold?

„Die jüngste Goldumfrage des World Gold Council zeigt die Hauptgründe dafür, weshalb die Zentralbanken Gold einlagern: seine Wertentwicklung in Krisenzeiten, seine Rolle als langfristiger Wertspeicher und seine hohe Liquidität“, sagt Joe Foster, Portfoliomanager und Goldstratege bei VanEck, in seinem aktuellen Goldkommentar.

In dem Forschungspapier „Gold als internationale Reserve: Kein barbarisches Relikt mehr?“ des Internationalen Währungsfonds (IMF) wird das Argument bekräftigt, dass der jüngste Impuls der Zentralbanken, Gold zu kaufen, auf die Attraktivität von Gold als sicherer Hafen in Zeiten wirtschaftlicher, finanzieller und geopolitischer Unbeständigkeit zurückzuführen ist, ebenso wie auf die Funktion von Gold als Inflationsschutz und zur Portfoliodiversifizierung sowie die Tatsache, dass es von Gewohnheiten und Tradition begünstigt wird.

Die Untersuchungen des IMF zeigen auch, dass die Verhängung von Finanzsanktionen (wie gegen Russland nach dessen Einmarsch in der Ukraine) durch die wichtigsten Reserven-ausgebenden Volkswirtschaften ebenfalls mit dem Anstieg des Anteils der in Gold gehaltenen Zentralbankreserven korreliert ist. „Wir gingen davon aus, dass die Zentralbanken die Erfahrungen Russlands in Bezug auf seine Währungsreserven genau beobachten würden und dass dies die Zentralbankkäufe im Jahr 2022 unterstützt“, sagt Foster. „Die tatsächlichen Zahlen übertrafen unsere Erwartungen. Unserer Meinung nach werden die Zentralbanken auch im Jahr 2023 und darüber hinaus Netto-Goldkäufer bleiben.“

Mit Blick auf andere Anlegergruppen erklärt der Goldexperte: „Kürzlich sagten wir, dass man die Anleger anscheinend ‚einschüchtern‘ müsste, damit sie sich für Gold entscheiden. Was wir damit sagen wollen, ist, dass die meisten Anleger kein Interesse an Gold zu haben scheinen, solange keine unschönen Zeiten vorherrschen. Nun, im letzten Jahr wurden die Zeiten dann wirklich unschön, was auch die Zentralbanken zur Kenntnis nahmen.“ Man kann also sagen, dass auch sie eingeschüchtert in Gold getrieben wurden und ihre Käufe auf ein Rekordniveau anstiegen. Könnte die Haltung der Zentralbanken gegenüber Gold den Weg für die Anleger im Allgemeinen ebnen?

13 Jahre ununterbrochener Nettokäufe zeigen, dass diese Institutionen als Gruppe nicht versuchen, den Goldmarkt zu „timen“. Ihr Engagement für Gold erscheint langfristig und basiert auf den Haupteigenschaften von Gold als sicherem Hafen und zur Diversifizierung des Portfolios. „Auch wir sind der Meinung, dass Gold nicht als Anlage der letzten Instanz betrachtet werden sollte. Vielmehr sollte das Edelmetall als Kernbestandteil eines jeden Portfolios gesehen werden und dort einen festen Platz haben. Bei unseren Engagements stellen wir fest, dass viele Anleger von der Entwicklung von Gold im Laufe der Zeit überrascht sind. Gold ist zwar zweifellos ein Relikt, aber keinesfalls barbarisch“, so Foster.

„Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass Gold bereits vor einer Pause oder einem Umschwenken der Fed anziehen kann, wenn der Markt sicherer wird, dass das Ende des Zinserhöhungszyklus näher rückt. Das ist es, was wir in diesem Jahr sehen – Gold wird höher gehandelt, während der Dollar in Erwartung einer Pause schwächer wird“, erklärt Foster.

Die Umkehrung des starken Dollartrends von 2022 dürfte ein wichtiger Treiber für den Goldpreis im Jahr 2023 sein. Auch wenn eine wirtschaftliche Rezession immer wahrscheinlicher wird, müssen noch einige andere Bedingungen erfüllt sein, bevor sich die Anleger in Gold als sicheren Hafen flüchten können. Dazu gehören ein deutlich schwächerer Arbeitsmarkt und eine höhere Arbeitslosenquote, ein Rückgang der Unternehmensgewinne und eine tiefere Korrektur an den Aktienmärkten und/oder eine anhaltende Inflation oberhalb der Zielrate der Fed. All diese Bedingungen sind für Gold günstig.