Was den unmittelbaren Transport von Öl betrifft, so zeichnet sich eine Zweiteilung des Marktes ab. Einerseits wird es Frächter geben, die die risikoreicheren Gewässer rund um den Persischen Golf in Kauf nehmen. Sie werden höhere Frachtraten fordern, auch die Versicherungsprämien werden hier wohl einen erklecklichen Aufschlag behalten. Andere Tankerflotten werden ihre Routen dauerhaft verlegen und das Krisengebiet meiden. Wenn sich eine derartige Struktur im Markt einmal aufgebaut hat, wird sie nur schwer wieder rückgängig zu machen sein.

Dann geht es natürlich um die Frage, wo künftig verstärkt Öl gefördert wird. Der Irankrieg hat der Welt vor Augen geführt, wie gefährlich eine zu große Abhängigkeit von der Golfregion ist. Damit fließt schon jetzt vermehrt Kapital in den Ausbau von Förderanlagen jenseits des Persischen Golfs, insbesondere nach Afrika und Lateinamerika. Eine Sonderstellung nimmt Venezuela ein, da das Land seit dem Regimewechsel zu Jahresbeginn seine Ölindustrie unter Schirmherrschaft der Amerikaner auf Trab bringt.

Gleichzeitig steigt natürlich auch das Interesse an erneuerbarer Energie. In der Vergangenheit hat man in grüne Energie investiert, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Das Interesse an diesen Projekten war aber durchaus Schwankungen unterworfen. Mit dem Kriegsausbruch im Mittleren Osten hat speziell Europa endgültig begriffen, dass Energieunabhängigkeit vor allem ein Sicherheitsthema ist und entsprechende Priorität genießen muss. Damit stieg zuletzt wieder der Zufluss in ETFs, die auf erneuerbare Energie setzen. Die Kapitalströme in diese Instrumente waren im Frühjahr so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr.