Wo Italien am schönsten ist

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Capri, Amalfi, Ischia, die Zitronenbäume Siziliens: Bella Italia kann so wunderbar sein. Eine kleine Expedition zu atemberaubenden Luxushotels im verführerischen Süden Italiens.  Text: Karl Riffert

Verdura Resort: Siziliens schönstes Golfresort

Schon einmal vom Google-Camp gehört? An der Südwestküste Siziliens landen mitten in einem 230 Hektar großen Golfresort Helikopter in Scharen, zu Wasser ankern reihenweise Luxusjachten. Einige der reichsten Menschen der Welt, einflussreiche Politiker und eine Schar Film- und Musikstars versammeln sich, um streng geheim zu diskutieren, wie es auf der Welt weitergehen soll. So etwas gibt es wirklich. Zuletzt vor der Pandemie im Verdura, inSiziliens schönstem Golfresort. Das Geheimtreffen wurde von den Google-Gründern Larry Page und Sergey Brin als noch exklusiveres Forum als das World Economic Forum gegründet.

Das Verdura Resort ist eine Welt für sich mit 203 Zimmern und Suiten, vier Restaurants und vier Bars, einem 1,8 Kilometer langen Privatstrand, einem 4.000 Quadratmeter großen Spa und zwei hoteleigenen 18-Loch-Meisterschaftsplätzen mit einer Gesamtlänge von 6.547 Metern, die von Kyle Phillips gestaltet wurden. Die kleinsten Zimmer sind vierzig Quadratmeter groß, wirklichen Luxus darf man aber erst in den Suiten erwarten. Das Fünf-Sterne-Golfresort, in dem man neuerdings auch Villen kaufen kann, ist Teil der Luxuskette Rocco Forte und Mitglied der Leading Hotels of the World. Die Anfahrt von Palermo dauert etwa 90 Minuten.

DZ ab 610 Euro (Nachsaison) und 1.250 Euro (Hochsaison). www.roccofortehotels.com

Villa Igiea: Magische Zeitreise in Sizilien

Im Golf von Palermo, gleich in der Nähe des Jachthafens Acquasanta, liegt die exklusivste Herberge Siziliens, ein Prachtbau der Belle Époque, eröffnet im Jahr 1907 und jetzt wieder mit Glanz und Gloria auferstanden: die Villa Igiea. Die Renovierung des Architekturjuwels direkt am Tyrrhenischen Meer mit 78 Zimmern, davon 22 Suiten, kostete mehr als fünfzig Millionen Euro.

Auf der prächtigen Terrasse kann man abends bei Livemusik und hervorragenden Cocktails auf den Golf von Palermo schauen und die wechselvolle Geschichte des Hauses Revue passieren lassen. Die Unternehmerfamilie Florio galt Ende des 19. Jahrhunderts als der reichste Clan Siziliens, sie ließen die nach der griechischen Gesundheitsgöttin Igiea benannte Villa erbauen, die ursprünglich als Luxussanatorium für zahlungskräftige Briten gedacht war. Als die Florios in den 20er-Jahren bankrottgingen, erlebte auch ihr Luxushotel wechselvolle Zeiten. Von einem Lieblingshotel von Mussolinis Faschisten bis zum angesagten Treff von Filmstars in den 50er- und 60er-Jahren. Bis 2019 gehörte das damals schon heruntergekommene Haus einem Immobilienzampano aus Rom, der dann wie einst die Florios pleiteging und die Villa an die Luxushotelkette Rocco Forte verkaufte.

Wer heute im wunderschönen Florio-Restaurant im Stil von Louis XVI. speist, sitzt vielleicht gerade da, wo Sophia Loren, Claudia Cardinale, Alain Delon, Burt Lancaster (er hatte Zimmer 237), Errol Flynn, Vittorio de Sica oder Roberto Rosselini speisten oder der schwedische, spanische und thailändische König dinierten. Heute ist freilich alles entspannt. Und die Küche hervorragend. 

DZ ab rund 630 Euro (Nebensaison) und 860 Euro (Hochsaison) pro Nacht. www.roccofortehotels.com

Borgo Santandrea: Atemberaubender Ausblick in Amalfi

Eines der schönsten Luxushotels an der Amalfiküste ist das erst im Vorjahr nach einer vierjährigen Totalrenovierung eröffnete Borgo Santandrea. Es liegt zwischen dem Fischerdörfchen Conca dei Marini, wo in den 60er-Jahren Jacqueline Kennedy Feste feierte, und der Traumvilla von Sophia Loren.

Das Borgo ist ein vertikales architektonisches Wunder. Vom Meer aus wirkt der untere Teil wie eine Burg. Tatsächlich hat die Luxusherberge, die früher Hotel Saraceno hieß, ein Ingenieur in den 60er-Jahren gebaut. 2017 kauften zwei Hoteliersfamilien aus Ischia das Hotel, sperrten es für vier Jahre zu und machten daraus Amalfi de luxe.

Ein kühnes Unterfangen. Nicht viele würden 70 Millionen Euro in ein Hotel stecken, das nur 29 Zimmer und 16 Suiten hat (viele mit Private Pool) und das acht Lifte benötigt. Im Borgo gibt es Doppelzimmer ab 1.000 Euro in der Nachsaison. In der Hochsaison legt man dafür 1.800 Euro pro Nacht ab. Für Suiten mit Private Pool 5.200 Euro. Dafür lässt die mit teurem Interieur und vielen Details (31 verschiedene handgemachte Fliesensorten) verschönte Edelherberge schon im Zimmer staunen, alle natürlich mit fantastischem Meerblick in einer Höhe von 50 bis 79 Metern. Man öffnet die Zimmertür, die Vorhänge öffnen sich automatisch und die vom Boden bis zur Decke reichenden Fenster geben den Blick frei auf das glitzernde, azurblaue Wasser. Das beste Stück des Borgo Santandrea findet man ganz unten: einen privaten Sandstrand mit Service und Bar. www.borgosantandrea.it

Hotel Quisisana: Capris legendärstes Hotel

„Michael Caine liebte diese Bar und saß jeden Abend, eine ganze Woche lang, völlig unbelästigt hier. Tom Cruise mochte den Platz an der Theke, ein sehr netter Mann“, erinnert sich Antonio Desiderio, Barkeeper in dem größten und zweitältesten Hotel Capris, dem berühmten Quisisana. Desiderio hat in über 30 Jahren Legionen von Berühmtheiten gesehen – und umgekehrt, was nicht unwichtig ist, denn für die Stammklientel ist guter Service genauso wichtig wie der hübsche Park mit den zwei Pools, der Tennisplatz, der schöne Theatersaal (Chanel hält hier ­Meetings ab), das Spa und vor allem die Lage mitten im Zentrum Capris nahe der berühmten Piazzetta.

Im Quisisana debattierten schon Maxim Gorki, Ernest Hemingway, Jean-Paul Sartre und Pablo Neruda, Models
wie Linda Evangelista und Cindy Crawford aalten sich am Pool, Milliardäre wie die Agnellis oder Bill Gates studierten vermutlich Börsenkurse und natürlich gab sich diverses Personal aus dem Film- und Showbiz ein Stelldichein – von Elton John und José Carreras bis zu Ingrid Bergman oder Michael Douglas.

Das Quisisana öffnete seine Pforten 1845 übrigens nicht als Hotel, sondern als Sanatorium. Ein schottischer Arzt namens George Sidney Clarke wollte auf Capri Atemwegserkrankungen heilen, erkannte aber bald, dass er als
Hotelier mehr verdienen könnte. Den ursprünglichen Namen „Quisisana“ behielt er aber bei. Er bedeutet schlicht: Hier wirst du gesund. Das Grandhotel sah etliche Besitzer, darunter Max Grundig, den deutschen Firmenpatriarchen, dessen Elektronikkonzern einst 40.000 Mitarbeiter beschäftigte und der 2003 pleiteging. Ein Jahr zuvor musste er sein schönes Hotel unter der Capri-Sonne verkaufen, und zwar an eine einheimische Familie, die Morganos, die es noch heute besitzen und mit Liebe und Passion führen. Das Haus mit 147 Zimmern und Suiten ist übrigens auch Mitglied der Leading Hotels of the World.

Capri hat eine Küste zum Weinen schön, es ist eine magische Insel, auf der schon Kaiser Tiberius die Aussicht und manches mehr genoss. Aber Capri ist auch ein seltsamer Mix aus Glamour und Tagestourismus. Der wichtigste Tipp, den man anspruchsvollen Capri-Besuchern geben kann, ist dieser: Suchen Sie sich ein schönes Hotel! Schon allein deshalb, weil abends die Tagestouristenscharen weg sind und auch weil man – besonders auf Capri – in einem guten Hotel „leben kann wie in einem Roman“.  Das schrieb übrigens Bertolt Brecht, der ebenfalls mit seiner Familie auf Capri urlaubte, aber ohne sie wieder abreiste. Auf Capri war ihm zu viel Fußvolk.

DZ ab 720 Euro. Früh buchen. In den Monaten Juli und August ist das Hotel meist ausgebucht.

www.quisisana.com, www.lhw.com

San Montano auf Ischia: Pool on the Hill

Ischia ist das entspannte Gegenteil vom glitzernden Capri mit seinen Luxusboutiquen. Es hat zwei Dinge, die Capri fehlen: erstens eine fantastische, magische Burg auf einem Inselchen, das 600 Jahre alte Castello Aragonese. Die fast unwirklich scheinende Anlage ist eine wundersame Kreuzung aus Harry Potters magischem Internat Hogwarts und dem französischen Mont-Saint-Michel. Gegenüber liegt übrigens ein ausgezeichnetes Fischrestaurant, das Giar­dino Eden, das man am besten per Boot besucht. Zweitens hat Ischia einen Schatz unter der Erde, der Capri fehlt: heißes, sprudelndes Thermalwasser.

Hoch über dem Städtchen Lacco Ameno auf dem Monte Vico liegt ein Juwel von einem Spa-Hotel. Wir kennen kein Thermalhotel mit einem derartig fantastischen Ausblick. Egal, ob man von einer Luxussuite mit Private Pool aufs Meer schaut oder vom großen Thermalpool mit bestem Service oder ob man gerade unter Zitronenbäumen massiert wird, der Blick ist unglaublich. Das Hotel auf dem Hügel ist übrigens von drei Hektar Land umgeben und ist auf vierhundert Zitronenbäume stolz, deren gelbe Früchte man in Form von frischer Limonata (Zitronenlimonade) oder Limoncello (Zitronenlikör) genießen kann. Am schönsten übrigens auf der Terrasse der Acropolis Bar inklusive Sonnenuntergang vor dem fernen Vesuv.

Natürlich gibt es auch ein Spa, eine Sauna in einer Naturhöhle, aber auch einen Gratis-Shuttle sowohl zum Strand als auch in das nahe Dorf Lacco Ameno, wo im dortigen Grandhotel Regina Isabella schon Legionen von Stars abgestiegen waren, von Elizabeth Taylor bis zu Matt Damon und Jude Law.

Wir geben dem Fünf-Sterne-Traum San Montano den Vorzug. Das in den 60er-Jahren aufwendig erbaute Hotel (inklusive Tiefenbohrung nach Thermalwasser) ist vor wenigen Jahren von einer alteingesessenen Hoteliersfamilie übernommen und von Grund auf modernisiert worden. Arcangelo De Siano, der 30-jährige Sohn der Familie, der seine Ausbildung in der Schweiz und in feinen Häusern im Ausland absolvierte, widmet sich mit Herzblut der Auf­gabe, dass Gäste ankommen und sich sagen: Das ist genau der Ort, wo ich hinwollte. Wir finden, es ist geglückt.

DZ ab 250 Euro (Nebensaison, perfekte Zeit!) und 550 Euro (Hochsaison). www.sanmontano.com

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