Eine Reise ins Unbekannte

Als „Blind Date mit der Welt“ beschreibt Bill Chalmers sein The Global Scavenger Hunt, bei dem Zweierteams um den Titel „The World’s Greatest TravelersTM“ rittern. Statt Reiseführer, Pläneschmieden & Co sind hier Abenteuerlust, Sportsgeist und Reise-IQ gefragt.

In 80 Tagen um die Welt? Phileas Foggs Rekord aus dem 19. Jahrhundert wäre heute wohl keiner mehr. Nichts gegen die berühmte Romanfigur von Jules Verne, doch laut Bill Chalmers, Erfinder und Veranstalter von The Global Scavenger Hunt (TGSH), sei im dritten Millennium Reisen 3.0 angesagt. Die globale Schnitzeljagd dauert also urlaubskompatible 23 Tage. Von Fogg scheint der in den USA lebende Kanadier dennoch inspiriert, offensichtlich findet er das Weltenbummeln ohne Challenge fad. Seit gut zwanzig Jahren organisieren er und seine Frau Pamela mehr oder weniger jährlich eine Weltreise, die zugleich Abenteuer, Spiel, Wettbewerb und Charity-Event ist. 15 internationale Zweierteams dürfen mit, eines davon kann auch etwas gewinnen: den Titel „The World’s Greatest TravelersTM“ und eine kostenlose Weltreise.

Lieber spontan als mit Plan

Gefragt sind Improvisationstalent und die Bereitschaft, sich auf Unbekanntes einzulassen. Teilnehmer kennen weder Beginn- noch Endpunkt der Reise und wissen nicht, welche zehn Länder sie durchqueren werden. „Das Geheimnisvolle, die Vorfreude und das Überraschtwerden sind wunderbare Elemente, die wir maximieren wollen“, so Chalmers auf der TGSH-Website (https://globalscavengerhunt.com). An jeder Etappe warten Aufgaben, wie etwa ein exotisches Mahl zu bereiten, mit dem Kajak eine Insel zu umrunden oder einen Tag in einem Waisenhaus mitzuhelfen. Beim Problemlösen sammeln die Teams Punkte und stellen ihren „Reise-IQ“ unter Beweis: „Es geht um das Verlassen der eigenen Komfortzone, Spontaneität, Kreativität, Interaktion, das Sich-lebendig-Fühlen und Offenheit für glückliche Zufälle“, schreibt Chalmers. Und den persönlichen Kontakt mit Einheimischen. Menschen in einem fremden Land zu vertrauen, mache etwas mit einem. Es schaffe Verständnis für das Verbindende zwischen den Kulturen.

Sinn und Sinnlichkeit

Nebenbei wird beim Zurücklegen Tausender Kilometer Geld für die GreatEscape Foundation gesammelt, Chalmers‘ karitative Stiftung. Sie vergibt zinslose Mikrokredite an Familien in armen Ländern zur Gründung von Kleinunternehmen, baut dort Schulen und hilft in akuten Notlagen. „Auf Reisen können wir Wunderbares erleben, wir sollten der Welt aber auch etwas zurückgeben“, so sein Credo. Billig ist der Spaß nicht, dafür hört sich das Abenteuer relativ komfortabel an: Die 25.000 US-Dollar pro Team beinhalten alle internationalen Flugkosten, First-Class-Hotels, etwa 40 Prozent der Mahlzeiten und spezielle Reiseausrüstung.

Reise-Urgestein

Auf die Idee brachte den heute Anfang 60-Jährigen eine eigene Wettbewerbsteilnahme. Als Berater von Handelsorganisationen und Politikern hatte er genug verdient, um ab seinem 40. Lebensjahr nur noch durch die Welt zu gondeln, sich der Philanthropie zu widmen, Reisebücher und Artikel für den San Francisco Chronicle oder die Huffington Post zu schreiben. 1989 gewann er das HumanRace, eine Weltumrundung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. „Danach wollte ich wieder so etwas machen, aber es gab nichts Vergleichbares“, sagte er dem Reisemagazin Junkets & Jaunts. Später sei ihm eingefallen, dass er das ja selbst aufziehen könnte: „Ich hatte eindeutig die nötige Erfahrung dafür.“ Er habe viele Male den Globus umrundet, kenne die Fallstricke. „Dazu kam, dass ich es mit meiner Wohltätigkeitsarbeit verbinden konnte.“

Nach der Coronapause soll es mit TGSH weitergehen. Chalmers und seine Frau Pamela tüfteln schon an der 16. globalen Schnitzeljagd im kommenden Frühjahr, Bewerbungsformulare für 2022 sind bereits online.

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