Eiskalte Rechnung

Smart Block Geblergasse: Zwei ausgebaute Gründerzeithäuser in Wien werden bereits mit Geothermie beheizt.

Solarthermie, Erdwärme, Pellets & Co – die Gaskrise versetzt dem Trend zu erneuerbaren Energien einen kräftigen Schub. Doch welche alternativen Heizsysteme sind für welche Immobilie geeignet? Und wie schnell funktioniert der Umstieg?  Text: Uschi Sorz

Bei Neubauten werden Heizungen von vornherein klimazielegerecht geplant, doch mittlerweile hat auch bei Bestandsimmobilien und Privathaushalten ein Run auf nachhaltige Alternativen eingesetzt. Steil in die Höhe kletternde Gaspreise, CO2-Steuer und Angst vor Versorgungskrisen sind starke Treiber. Immer weniger leicht kann man sich der Erkenntnis entziehen, dass man mit der heimischen Gastherme oder dem Ölkessel mittel- bis langfristig nicht besonders gut aufgestellt ist. Doch egal, was mehr drückt, die Sorge ums Budget oder das schlechte Gewissen angesichts des Klimawandels: Für viele Eigenheimbesitzer sind die aktuellen geopolitischen Ereignisse das Zünglein an der Waage, um das Thema Heizungsaustausch nun ernsthaft anzugehen.

Eine solche Investition will allerdings wohlüberlegt sein, schließlich legt man sich gut 15 bis 20 Jahre auf eine Technik fest. Und von heute auf morgen wird es schwerlich klappen, denn Hersteller, Lieferanten und Monteure haben alle Mühe, den vielen Anfragen nachzukommen.

„Egal ob man sich für eine Wärmepumpe, einen Pelletskessel oder eine Fotovoltaikanlage interessiert, die Wartezeiten auf einen Einbau sind zurzeit tatsächlich länger als noch vor zwei Jahren“, bestätigt Johannes Schmidl, Konsulent bei Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ), einem Dachverband der wichtigsten Akteure im Bereich nachhaltiger Energien. „Das Kuriose ist aber, dass neue Gasheizungen immer noch beworben werden und bis vor Kurzem sogar gefördert wurden.“ Darüber schüttelt der Energieexperte den Kopf. „Bei den 100.000 Einheiten, die die Branche jährlich einbaut, waren im Vorjahr noch 50.000 Gaskessel dabei. Das ist wirklich in jeder Hinsicht die schlechteste Option.“ Schmidl plädiert für ein entschlossenes, aber bedächtiges Vorgehen auf dem privaten Weg zur erneuerbaren Energie. „Das Um und Auf ist eine unabhängige Energieberatung.“ Dafür gibt es in jedem Bundesland eine eigene Energieberatungs­stelle, deren Besuch übrigens auch eine Voraussetzung für Förderungen ist.

Mit einer fachkundigen Bestandsauf­nahme geht es dann los: Wie groß ist das Gebäude? Wo steht es? Wie viele Menschen wohnen darin? Wie ist das Benutzerverhalten? Davon hängt es ab, welches Energiesystem für die betreffende Immobilie am besten geeignet ist. Doch bevor es in medias res geht, sollte man erst einmal den Energiebedarf drosseln. Etwa durch neue Fenster, die Dämmung der obersten Geschossdecke und ähnliche Maßnahmen. „Das macht sich bezahlt, denn dann braucht das Haus gleich signifikant weniger Wärme.“ Hat man freie Dachflächen zur Verfügung, rät Schmidl zur Montage von Solarkollektoren oder zu einer Fotovoltaikanlage. Zwar reiche das selten als alleinige Heizmethode, helfe aber, Kosten für Energie und Warmwasser zu sparen. Und man kann sie mit nahezu jedem Wärmeerzeuger kombinieren. 

Fernwärme statt Gas, Pellets statt Öl

In Städten ist Fernwärme die beste Dekarbonisierungsmaßnahme und auch für umstiegswillige Haus- oder Wohnungs­eigentümer die erste Wahl, so Schmidl.

Lederergasse, Linz: Innen liegende Stampflehmwände speichern Wärmeenergie und sorgen für ein tolles Raumklima.

„Darum wird dort, wo es eine Anschlussmöglichkeit an ein Fernwärmenetz gibt, oft nichts anderes gefördert.“ Zumal die Vorteile für sich sprechen: Fernwärme ist verlässlich und versorgungssicher, man spart sich Kosten für neue Heizkessel, Service, Wartung und Reinigung. Wien etwa hat ein ambitioniertes Ausbauprogramm, bis 2040 sollen dort 56 Prozent des Wärmebedarfs über Fernwärme abgedeckt werden. In ländlichen Gebieten, wo vielfach noch Ölheizungen dominieren, ist ein Pelletstank gut realisierbar. „Wie bei allem anderen haben natürlich auch hier die Preise angezogen, aber im Vergleich zu Öl und Gas sind Pellets immer noch mit Abstand günstiger und obendrein umweltfreundlich“, meint Schmidl. Die Branche habe den Austausch von Öl- gegen Pelletskessel mittlerweile gut im Griff. „Mit diesem besitzt man dann einen stattlichen Energiespeicher. Wenn man vorher beispielsweise 3.000 Liter Öl im Jahr gebraucht hat und nun sechs Tonnen Pellets, so hat man damit einen Energiespeicher mit knapp 30.000 Kilowattstunden im Keller.“ Genau wie bei Gas oder Öl verteilt sich die Wärme über Radiatoren im Haus.

„Auch die Versorgungssicherheit ist gut, in Österreich gibt es eine Raffinerie und etwa 43 Pelletierwerke, weitere sind in Bau.“ Dennoch gibt es viel zu tun: Bis jetzt haben erst 170.000 Österreicherinnen und Österreicher einen Pelletskessel, während immer noch 550.000 Öltanks in den Kellern stehen und über eine Million Haushalte von Erdgas abhängig sind.

Die ebenfalls zukunftsträchtige Wärmepumpe funktioniert im Prinzip wie ein umgekehrter Kühlschrank: Anstatt dem Inneren Wärme zu entziehen und sie nach außen abzugeben, nutzt sie die draußen gespeicherte Energie – aus Luft, Grundwasser oder Erde – zum Erwärmen der Innenräume. Persönlich würde Schmidl hier den Boden als Energiequelle bevorzugen, die sogenannte oberflächennahe Geothermie. Das Erdreich kann nämlich auch als Energiespeicher für eine Kühlung im Sommer dienen. Außerdem sind Luftwärmepumpen, bei denen Ventilatoren die Außenluft ansaugen, um die darin gespeicherte Sonnenenergie nutzbar zu machen, unüberhörbar. Das gefällt nicht jedem Nachbarn.

Heizung und Kühlung

Bei der oberflächennahen Geothermie nehmen Sonden die Wärme aus dem Untergrund auf und leiten sie weiter zur Pumpe. Sie bestehen aus unverrottbaren Kunststoffrohren, die mit einer kühlwasserähnlichen Flüssigkeit gefüllt sind. Diese zirkuliert in einem geschlossenen Kreis, entzieht der Erde oder dem Grundwasser Wärme und gibt sie ans Heizsystem ab. Im Gegensatz zur tiefen Geothermie, die riesige Potenziale hebt, etwa für geothermale Fernwärme, und Bohrungen ab 300 Metern erfordert, geht es für den privaten – oberflächennahen – Wärmepumpenbesitzer nicht so dramatisch in die Tiefe. „Das Maximum beträgt hier 300 Meter, aber oft reichen schon ein paar Meter oder ein paar Dutzend Meter.“ Pro Meter Bohrung blättert man derzeit zwischen 80 und 120 Euro hin. Strom für den Betrieb der Wärmepumpe spart man durch Fußboden- oder Wandheizungen, mit denen man mit geringeren Temperaturen das Auslangen findet. Dass das nicht nur für Einfami­lien-, sondern auch großstädtische Zinshäuser eine tolle Option ist, zeigt der mit dem Klima-Staatspreis ausgezeichnete Smart Block Geblergasse in Wien, wo ein aus zwei Liegenschaften bestehender Gründerzeitblock nach der Sanierung mit Geothermie beheizt – und im Sommer gekühlt – wird. Und Sonnenkollektoren gibt es dort natürlich auch.   ←

Gut informiert ist halb saniert

  • Der Bund fördert Privatpersonen beim Tausch eines fossilen gegen ein klimafreundliches Heizsystem wie einen Nah- oder Fernwärmeanschluss, eine Wärmepumpe oder eine Biomasseheizung mit bis zu 7.500 Euro. Bei gleichzeitiger Umsetzung einer thermischen Solaranlage ist zusätzlich ein Solarbonus von 1.500 Euro möglich. Details zu diesen Förderungen: www.umweltfoerderung.at
  • Auch die Länder und manche Gemeinden fördern. Durch den Förderdschungel helfen die ländereigenen ­Energieberatungsstellen: https://www.klimaaktiv.at/service/beratung/energieberatungen.html
  • Im Vorfeld hilft ein Kostenvergleichsrechner, die Optionen für das eigene Haus ein wenig durchzuspielen:
    http://www.energieinstitut.at/tools/Hexit/

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