Der Füllstand von Gläsern

Die Wirtschaft wächst flott, die Verschuldung des Staates sinkt viel schneller als angenommen, die Impfung gegen das Covid-Virus scheint sich zu bewähren und sogar das Wetter im Herbst spielte zumindest bis in die zweite Oktoberhälfte mit. Also alles bestens im Staate Österreich?

„Mitnichten“, tönt es vielstimmig wie aus dem Chor in der griechischen Tragödie. Die Inflation steige rasant, gerissene Lieferketten gefährden das Wirtschaftswachstum ebenso wie die steigenden Spannungen mit China den Weltfrieden. Auch die Pandemie sei noch lange nicht vorbei und generell folge nach jedem Sonnenschein der Regen. Leben wir also in besonders unsicheren Zeiten? Sind die Risiken so stark gewachsen, dass wir längst wieder auf einem Vulkan tanzen?

Hermann Wonnebauer, Vorstandsvorsitzender der Zürcher Kantonalbank Österreich AG, sagt dazu am traditionellen assets-Round-Table der Private Banker: „Ich bin seit vielen Jahren im Geschäft und noch nie zeigten alle Ampeln Grün.“ Ein Satz, den viele ältere Mitbürger unterschreiben können, die Ölkrisen, Kriege an der südlichen Grenze Europas, Waldsterben, die Prophezeiungen des instanten Untergangs der österreichischen Wirtschaft im Falle eines EU-Beitritts und ­vieles mehr miterlebt haben.

Das soll keineswegs ein Plädoyer für Sorglosigkeit sein, so war es auch vom erfahrenen Private Banker nicht gemeint. Ja, es gibt Herausforderungen, die Bedrohungen aus der Klimakatastrophe sind kaum mit Worten zu beschreiben. Und natürlich wird es auch an den Börsen irgendwann wieder nach unten gehen.

Jeder kennt den populären Vergleich, dass es nur auf die Betrachtungsweise ankommt, wie man den Füllstand von Gläsern mit 50-prozentigem Restvolumen interpretiert. Warum aber beherzigen wir das nicht? Warum nicht auch stolz sein auf das Erreichte, daraus Zuversicht in die Lösungskompetenz für kommende Herausforderungen schöpfen? Etwa so wie Thomas und Hermann Neuburger, die trotz des großen Erfolges ihrer Wurstprodukte jetzt an Fleischalternativen arbeiten und dabei hochinnovative Wege beschreiten. Auch die Immobilienwirtschaft hat längst auf ökologische Herausforderungen reagiert, wie am assets-Round-Table sehr deutlich wurde.

Natürlich braucht es frische Ideen, Innovationen und den Mut, neue Wege zu beschreiten. Dies wird aber nur gelingen, wenn wir uns von der täglichen Flut an schlechten Nachrichten nicht verunsichern lassen. Ein wachsender Strauß an Medienkanälen buhlt um Aufmerksamkeit, die man ehesten mit Bad News erreicht. Genau das darf man nie vergessen. Und am besten jene Strategie anwenden, die erfahrene Private Banker zum Vermögensaufbau empfehlen: Man kann täglich am Smartphone nachsehen, wie die eigenen Aktien stehen. Oder darauf vertrauen, dass man mit guten Beratern langfristig zu den Gewinnern gehört. Letzteres macht glücklicher. Und erfolgreicher.

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