Ausblick 3: Unterschätzte Folgen der Pandemie für die Weltwirtschaft

assets Magazin: Mathilde Lemoine, Edmond de Rothschild Gruppe
Mathilde Lemoine, Chefvolkswirtin der Edmond de Rothschild Gruppe

Dr. Mathilde Lemoine, Chefvolkswirtin der Edmond de Rothschild Gruppe, warnt in ihrer Prognose für 2022 und 2023 davor, die Folgen der nun schon sehr lang anhaltenden Pandemie auf die Weltwirtschaft zu unterschätzen. Ihr zu Folge sinkt zwar das Inflationsrisiko, dafür bremst sich auch das Wachstum in den USA und Europa ein.

„Auch wenn die Lage zurzeit nicht so ernst ist wie während des kompletten Lockdowns, gibt es Ungleichgewichte, Lieferengpässe und Überhitzung. Hinzu kommen Auswirkungen auf die relativen Preise von Gütern und Dienstleistungen und ein Anstieg der Rohstoffpreise, der sich in den Jahren 2022 und 2023 fortsetzen wird.“

Die noch immer andauernden Folgen der Pandemie bremsen nach Überzeugung der Expertin die Erholung der Weltwirtschaft und tragen zu einem instabilen, ungleichmäßigen Wachstum bei.

Laut Lemoines Prognose wird sich das US-Wachstum 2022 und 2023 leicht auf 4 Prozent und 3,2 Prozent abschwächen, weil die staatlichen Hilfen auslaufen. Auch das Wachstum des Euroraums wird in den nächsten beiden Jahren nachlassen, auf 4,4 Prozent und 2,4 Prozent. Das chinesische Wachstum wird 2022 bei 5,3 Prozent liegen und 2023 auf 5,5 Prozent steigen. Für 2022 und 2023 erwartet die Chefvolkswirtin ein Weltwirtschaftswachstum von 4,6 Prozent und 3,7 Prozent.

Außerdem erwartet Dr. Mathilde Lemoine einen allmählichen Rückgang der Inflation. Als Gründe für diese Prognose nennt sie das Auslaufen der staatlichen Hilfsprogramme, den starken Rückgang der Kaufkraft infolge des Preisanstiegs im Jahr 2021, eine Anhebung der Leitzinsen der US Federal Reserve (Fed) und die anhaltenden Folgen von Energiewende und Klimawandel für die Preise für Energie und landwirtschaftliche Erzeugnisse. „Die USA und die EU müssen ihre Wirtschaften klimaneutral machen, und dazu braucht es mehr CO2-freie Energiequellen. Diese Unsicherheit könnte zu einem Anstieg der Energiepreise um durchschnittlich 20 Prozent gegenüber dem vorpandemischen Niveau führen. Die Fed prognostiziert eine unveränderte Inflation bei schwächerem BIP-Wachstum. Wir interpretieren das als Aussicht auf langfristig niedrigere nominale und reale Zinsen“, sagt Dr. Mathilde Lemoine.

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