Studie: Sparen und Wohlstand wieder gefragt

assets Magazin: Achim Küssner, Schroder Investment Management
Achim Küssner, Leiter der Schroder Investment Management

Eine stärkere Fokussierung auf Sparen und finanziellen Wohlstand dürfte zum bleibenden Erbe der Pandemie gehören, auch wenn die Zuversicht der Anleger deutlich zunimmt. Das ist ein Ergebnis der Schroders Global Investor Study 2021. Die groß angelegte Studie, für die 23.000 Personen an 32 Standorten auf der ganzen Welt befragt wurden, hat ergeben, dass fast jeder zweite Anleger (46 Prozent) von jetzt an mehr sparen will, sobald die Beschränkungen aufgehoben werden. Dieser Vorsatz ist bei Investoren im Alter von 18-37 Jahren am stärksten ausgeprägt.

Von allen befragten Personen stammen 1.000 aus Deutschland. Insgesamt gaben 48 Prozent aller deutschen Anleger an, dass der Lockdown in 2020 ihr Sparverhalten beeinflusst habe. Auf die Frage wie, gaben 40 Prozent von ihnen an, dass sie mehr gespart hatten als ursprünglich vorgehabt. 47 Prozent konnten ihre Sparabsichten punktgenau erfüllen.

35 Prozent der befragten deutschen Anleger veränderten ihr Investitionsverhalten durch die Lockerungen des Lockdowns in Richtung riskantere Anlagen. Deutlich mehr jedoch, nämlich 45 Prozent, in Richtung risikoaverse Investments. Zukünftig wollen 36 Prozent auch nach dem Lockdown weiter sparen, nur 14 Prozent werden ihre Sparaktivitäten zurückfahren.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich in Österreich ab. 44 Prozent der österreichischen Anleger gaben an, dass sie ihr Investitionsverhalten durch die Lockerungen ändern werden. Konkret bedeutet dies: 39 Prozent wollen mehr in risikoreiche Anlagen investieren, 46 Prozent in risikoarme.

Dieser umsichtigere Ansatz kommt auch in den Erwartungen von globalen Anlegern hinsichtlich des Ruhestands zum Ausdruck. 58 Prozent der Ruheständler weltweit gehen jetzt konservativer mit ihren Altersersparnissen um. Zudem wollen 67 Prozent derer, die den Ruhestand noch vor sich haben, mehr dafür zurücklegen.

Zuversichtlicher Blick in die Zukunft

Trotz der Herausforderungen, welche die Pandemie mit sich gebracht hat, ist die Zuversicht der weltweiten Anleger auf den höchsten Stand seit der ersten Auflage der Studie 2016 gestiegen. Die durchschnittliche jährliche Renditeerwartung für die nächsten fünf Jahre liegt jetzt bei 11,3 Prozent und ist damit höher als noch vor einem Jahr (10,9 Prozent).

Darin spiegelt sich auch die wachsende Zuversicht institutioneller Investoren wider, die Schroders im August 2021 im Rahmen seiner Institutional Investor Study befragt hat.

Finanzieller Wohlstand im Fokus

Fast drei Viertel (74 Prozent) der weltweit befragten Anleger machen sich seit Beginn der Pandemie mehr Gedanken über ihren finanziellen Wohlstand, wobei sich Investoren, die sich selbst für „sachkundig/fortgeschritten“ halten, am meisten damit beschäftigen. Auch 64 Prozent aller deutschen Befragten bestätigten, dass sie sich durch die Pandemie stärker um ihre finanzielle Aufstellung kümmern. 

Von den weltweit befragten Anlegern wollen inzwischen 82 Prozent ihre Investments mindestens einmal im Monat überprüfen, verglichen mit 77 Prozent in 2019.

Finanzieller Überschuss durch Pandemie

Im Verlauf des Jahres 2020 sparte fast ein Drittel (32 Prozent) der Anleger weltweit mehr als ursprünglich geplant.  Es ist wenig überraschend, dass dies vor allem auf geringere Ausgaben für nicht existenzielle Dinge wie Restaurantbesuche, Reisen und Freizeitaktivitäten zurückzuführen ist.

Über ein Drittel (38 Prozent) der Anleger in Europa hat mehr gespart als geplant, gefolgt von Anlegern in Asien (28 Prozent) sowie Nord-, Mittel- und Südamerika (27 Prozent). Von den Investoren, die nicht so viel sparen konnten wie sie geplant hatten, nannten 45 Prozent niedrigere Gehälter/Arbeitseinkommen als ausschlaggebenden Grund, worin die von der Pandemie verursachten großen Herausforderungen zum Ausdruck kommen.

Investitionslaune steigt Die Zuversicht in Bezug auf Investments ist bei Anlegern, die sich selbst als „sachkundig/fortgeschritten“ bezeichnen, am größten. Sie erwarten eine durchschnittliche Rendite von 12,8 Prozent, verglichen mit 8,9 Prozent im Falle von Anlegern, die sich als „Anfänger/wenig erfahren“ betrachten.

Anleger in Nord-, Mittel- und Südamerika zeigten sich besonders optimistisch. Sie erwarten in den nächsten fünf Jahren eine jährliche Gesamtrendite von 12,5 Prozent, gefolgt von Investoren in Asien mit 12,3 Prozent und den etwas vorsichtigeren Anlegern in Europa, die eine Rendite von 9,7 Prozent erwarten.

Ebenso optimistisch zeigt sich das deutsche Umfeld. Mit einer durchschnittlichen Rendite von 8 Prozent in den nächsten fünf Jahren rechnen 17 Prozent aller Befragten, mit 12 Prozent Rendite rechnen 20 Prozent der Investoren und mit 17 Prozent Rendite sogar noch 9 Prozent der Befragten. Ein ähnlich positives Bild, wenn auch leicht abgeschwächter, zeichnet sich unter den österreichischen Investoren ab: 22 Prozent von ihnen erwarten einen durchschnittlichen Gewinn von 12 Prozent, 18 Prozent erwarten 8 Prozent Rendite und 9 Prozent der Anleger rechnen mit einem 17-prozentigen Gewinn.

Stuart Podmore, der sich bei Schroders mit dem Verhalten von Anlegern beschäftigt, erklärt die Ergebnisse:

„Die Pandemie hat bei uns das Gefühl von Unsicherheit verstärkt und unsere Fähigkeit auf die Probe gestellt, mit Risiken umzugehen. Dies hat viele von uns besorgter gemacht und den Eindruck ausgelöst, die Kontrolle zu verlieren. Diese Gefühle kommen in den Ergebnissen unserer Studie klar zum Ausdruck. Denn die Anleger sind zunehmend darauf fokussiert, zu sparen, ihre Beiträge zur Altersvorsorge zu kontrollieren und ihre Geldanlagen häufiger zu überprüfen.

Trotz der enormen Herausforderungen, vor die wir alle gestellt wurden, ist es ermutigend zu sehen, dass die Pandemie, wie ein Katalysator, weltweit zu einer stärkeren Fokussierung auf allgemeine Finanzplanung und finanziellen Wohlstand geführt hat.

Obwohl die Studie global angelegt ist, haben wir weltweit alle ähnliche Wünsche und Bedürfnisse, und die finanzielle Sicherheit ist für uns alle ein ganz wichtiger Punkt. Gleichzeitig müssen wir mit Blick auf die von uns in den nächsten fünf Jahren erwarteten Anlagerenditen vorsichtig sein, weil der bei vielen Anlegern – insbesondere bei denen, die sich für sachkundig halten – verbreitete Ausblick außergewöhnlich optimistisch ist.

Die letzten 18 Monate haben uns deutlich gemacht, dass sich die Zukunft nach wie vor schwer vorhersagen lässt und ein umsichtiger, konsequenter und geduldiger Investitionsansatz, der sich auf langfristige Ziele und realistische Ergebnisse konzentriert, den Anlegern wahrscheinlich bessere Chancen bietet.

Achim Küssner, Leiter der Schroder Investment Management (Europe) S.A., German Branch:

„Dass Anleger sowohl weltweit als auch in Deutschland und Österreich ein verstärktes Augenmerk auf finanzielle Absicherung legen, werten wir als ermutigendes Zeichen. Denn klar ist: Gerade in Zeiten von Mini- und sogar Negativzinsen sind intelligente und individuell passende Formen der Kapitalanlage erforderlich, um für die Zukunft gewappnet zu sein.

Andersherum sind jedoch die Renditeerwartungen merklich angestiegen – und das ausgerechnet in einem noch immer stark von Ungewissheiten gekennzeichneten wirtschaftlichen Umfeld. Hier wäre ein stärkerer Realitätssinn der Anleger wünschenswert, damit sich diese nicht auf falsche Hoffnungen verlassen, die mit den tatsächlichen Entwicklungen möglicherweise nicht mithalten können. Wir sehen es als eine wichtige Aufgabe gerade auch für unsere Branche an, hier notwendige Informationen bereitzustellen und Investoren transparent und realistisch über die sich bietenden Chancen, aber eben auch über Risiken, zu informieren. Denn um gute Anlageentscheidungen treffen zu können, ist eine sachliche Perspektive unerlässlich, wozu gerade aktive Asset Manager wichtige Beiträge in Form fachkundiger Beratung liefern können.

Erfahren Sie weitere Informationen und Ergebnisse der Schroders Global Investor Study 2021 hier

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