Gold: Wertgewinn bei Inflation

assets Magazin: Joe Foster - Goldstratege bei VanEck
Joe Foster - Goldstratege bei VanEck

Die Märkte gehen derzeit auf fünf Jahre gesehen von einer Inflation im Bereich 2,5 Prozent bis 3,0 Prozent aus, was nach einer Rezession als normale Entwicklung gilt. „Allerdings handelt es sich dabei um die seit vielen Jahren höchste von den Investoren erwartete Inflation“, schreibt Joe Foster, Portfoliomanager und Goldstratege bei VanEck, in seinem aktuellen Goldkommentar.

Die Fed wie auch viele Ökonomen glauben, dass der Inflationsdruck vorübergehend sein wird und durch mikro- und makroökonomische Reaktionen auf die Pandemie zurückzuführen ist. Die Inflation steigt normalerweise für kurze Zeit, wenn sich die Wirtschaft von einer Rezession erholt. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass das aktuelle Umfeld weniger mit der Situation vergleichbar ist, wie sie durch die globale Finanzkrise entstand, und stattdessen eher den siebziger Jahren entspricht.

Im Gegensatz zur globalen Finanzkrise blieben die Banken während der gesamten Pandemie stabil und das Finanzsystem konnte sich gut entwickeln, auch dank der schnellen und wirkungsvollen Reaktion der Fed. Das inflationäre Regime der siebziger Jahre hatte seine Wurzeln in der Great Society. Vergleichbar mit der heutigen Biden-Agenda erfolgten im Rahmen der Great Society Programme neue hohe Ausgaben für Bildung, medizinische Versorgung, urbane Entwicklung, Armutsbekämpfung und Infrastruktur. Zwei Ölkrisen in den siebziger Jahren trieben in Verbindung mit den Staatsausgaben für Sozialprogramme und dem Vietnamkrieg die Inflation in den zweistelligen Bereich.

Der Ölpreis hat heute nicht annähernd den Einfluss auf die heutige Wirtschaft, den er in den siebziger Jahren hatte. Allerdings steigen die Preise heute in einem viel breiteren Spektrum, von Öl über Metalle und Holz bis hin zu landwirtschaftlichen Gütern. Die Unternehmen waren bislang weniger bereit, Kapital für Produktionssteigerungen einzusetzen, während durch den ökologischen Umbau der Wirtschaft die Nachfrage und/oder die Kosten derart steigen, dass ein weiterer Preisanstieg die Folge sein könnte. Neben den Rohstoffen gibt es weitere Bereiche, die den Anschein erwecken, dass eine höhere Inflation dauerhaft werden könnte, wie die schnellwachsende Geldmenge M2 oder der Wohnraummangel.

Der bevorzugte Inflationsindikator der Fed (die persönlichen Konsumausgaben) stieg im April um 3,1 Prozent und damit so schnell wie seit 1992 nicht mehr. „Die Federal Reserve gibt an, sie verfüge über die erforderlichen Instrumente, um gegen eine unerwünschte Inflation vorzugehen, aber wird sie diese auch einsetzen?“, so Foster. „Die Fed erhöhte in den siebziger Jahren die Zinssätze, um der Inflation einen Riegel vorzuschieben – was einer schweren Rezession im Jahr 1981 Vorschub leistete.“ Damals lag das Verhältnis Schulden/Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei etwa 25 Prozent. Bei einer Verschuldung von rund 100 Prozent des BIP würde ein ähnlicher Zinsanstieg die Kosten für den Schuldendienst wahrscheinlich auf ein katastrophales Niveau ansteigen lassen.

„Heute besteht zum ersten Mal seit 30 Jahren das reale Risiko von Inflation. Die meisten Menschen im erwerbsfähigen Alter haben keine Erfahrung mit einem Inflationszyklus, wenn der unerbittliche Anstieg der Preise zu einem Rückgang der Kaufkraft führt, oder auch nur eine Erinnerung daran“, sagt Foster. Lohnerhöhungen verpuffen dann de facto Jahr für Jahr. „Obwohl wir erst im Jahr 2022 wissen werden, ob der jüngste Anstieg eine vorübergehende Nebenwirkung der Pandemie ist, sollte jetzt über mögliche Änderungen im Ausgabeverhalten und bei Investitionen nachgedacht werden“, so der Goldexperte.

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