Emerging Markets: Weitere Wachstumschancen

assets Magazin: Tim Love, GAM Investment Director für Emerging Markets
Tim Love, GAM Investment Director für Emerging Markets

Für den dieswöchigen Marktkommentar gibt eine Auswahl an GAM-Fondsmanagern einen Ausblick sowie aktuelle Markteinschätzungen und zeigt auf, wo sie derzeit Alpha sehen für ihre jeweilige Anlageklasse. Sie sehen vor allem in Emerging Markets noch Wachstumschancen bis zum Jahresende.

Tim Love, Investment Director Emerging Markets Aktienstrategie: „Zu Beginn des Jahres 2021 haben wir prognostiziert, dass dieses Jahr etwas volatiler sein würde, da wir eine Normalisierung erwartetet haben. Die Auswirkungen dieser Normalisierung würden sich in einer steileren Zinskurve, einem steigenden Dollar und in Stilrotationen, ausgelöst durch das Taper Tantrum, niederschlagen. Ziemlich genau das ist auch passiert. Wir sind der Meinung, dass Schwellenländeraktien immer noch die Nachzügler im Investment Grade-Bereich sind und Value, Wachstum und Rendite versprechen. In Zukunft werden sie viel mehr Potenzial haben. Aber: Diversifizierung ist entscheidend. Denn in der Vergangenheit hat es sehr viele Value/Wachstums-Rotationen gegeben, fast monatlich, zusammen mit Verschiebungen bei Large Caps/Small Caps sowie guten, schlechten oder weniger guten ESG-Werten. Im ersten Halbjahr waren daher die Portfoliokonstruktion und das Risikomanagement wichtig. In der zweiten Jahreshälfte beschäftigen wir uns mit der Ausweitung der Multiples und den künftigen Gewinnen. Gleichzeitig geht es darum, die Volatilität zu antizipieren und ein Portfolio so zu positionieren, dass es an Kurssteigerungen partizipiert.

Die Schwellenländermärkte sollten bis Jahresende weiteres Aufwärtspotential bieten, sofern nicht ein Schwarzer Schwan oder ein ähnliches Ereignis eintritt. Das wird meiner Meinung nach von einer Vielzahl von positiven Faktoren angetrieben, unter anderem den Erträgen. Emerging Markets Aktien sind zudem im Vergleich zu den meisten Industrieländern nach wie vor recht billig und versprechen immer noch Value, Wachstum und Rendite. Wenn es also zu viel Liquidität im System gibt, das auf der Suche nach Rendite ist, wird sich dies vorzugsweise in einem diversifizierten, liquiden Investment Grade-Portfolio niederschlagen.

Wir nutzen Chancen in den folgenden Bereichen: Bei Wachstumstiteln bevorzugen wir qualitativ hochwertige Unternehmen mit positiven Free-Cashflow-Renditen und einem Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis (PEG) von unter eins. Kurz: liquide Unternehmen mit Wachstum zu einem vernünftigen Preis. Diese sind im Bereich Internet der Dinge, bei E-Commerce-Plattformen sowie Zahlungsplattformen usw. zu finden. Im Value-Bereich haben wir uns tendenziell am Reflationshandel mit grünen Edelmetallen orientiert: Lithium, Platin, selektiv Nickel oder Eisenerz. Diese sind ein wenig volatiler gewesen, da sie viel stärker von makroökonomischen Faktoren wie einem steigenden oder fallenden Dollar abhängig sind. Dennoch wird die Nachfrage im Zuge der Normalisierung der Wirtschaft das Angebot definitiv übersteigen, zumindest in den nächsten sechs bis neun Monaten bei den meisten dieser Titel. Darüber hinaus mögen wir einige der Frontier-Märkte, insbesondere Vietnam. In Rumänien ist insbesondere der rumänische Bankensektor attraktiv. Eine weitere, nicht korrelierte Anlagemöglichkeit ist die chinesische Versicherungsbranche, die stark zurückgeblieben ist.“

Fokus Asien – drei Trends: Technologie, Saubere Energie und Demografie

assets Magazin: Jian Shi Cortesi, GAM Investment Director für Asiatische Aktien
Jian Shi Cortesi, GAM Investment Director für Asiatische Aktien

Jian Shi Cortesi, Investment Director für Asiatische Aktien: „Asiatische Aktien werden durch die weltweite wirtschaftliche Erholung und umfangreiche Liquidität im Markt unterstützt. Im Vergleich zu ihrem eigenen historischen Durchschnitt werden asiatische Aktien mit einem Aufschlag über dem historischen Durchschnitt gehandelt, was jedoch hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, dass es im asiatischen Universum jetzt viel mehr wachstumsstarke Technologie- und Internetunternehmen gibt. Im Vergleich zu US-Aktien werden asiatische Aktien jedoch weiterhin mit einem erheblichen Abschlag in Bezug auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Kurs-Umsatz-Verhältnis und das Kurs-Buchwert-Verhältnis gehandelt. In China hat sich die Wirtschaft vollständig erholt und der Impfprozess schreitet rasant voran, was das Wirtschaftswachstum für den Rest des Jahres ankurbeln sollte. All diese Faktoren sollten zu einem starken Wachstum der Unternehmensgewinne führen und bis zum Jahresende positiv auf die Aktienkurse wirken.“

„Wir setzen weiterhin auf ein ausgewogenes Portfolio, um sowohl von einer kurzfristigen Erholung als auch von langfristigen Wachstumsperspektiven zu profitieren. Ein wichtiger Bereich sind asiatische und chinesische Technologie-Unternehmen. Wir sehen attraktive Gelegenheiten bei Halbleitern, Software, Internet der Dinge und bei Technologieunternehmen, die die Produktion von Elektrofahrzeugen erleichtern. Ein zweiter wichtiger Bereich ist saubere Energie. Chinas ehrgeiziger Plan, bis 2060 klimaneutral zu werden, bedeutet enormes Wachstumspotenzial für erneuerbare Energien. China und Asien sind ebenfalls führend in der Lieferkette für erneuerbare Energien. Wir fokussieren uns daher besonders auf Solaranlagen, Hersteller von Windkraftanlagen, die Erzeugung erneuerbarer Energien sowie Elektrofahrzeuge. Der dritte Bereich ist mit der Alterung der Bevölkerung in China verbunden, die zu einem wachsenden Bedarf an Automatisierung führen wird, um den Rückgang der Arbeitskräfte zu kompensieren. Hiervon profitieren das Gesundheitswesen, der Bereich Automatisierung und die Vermögensverwaltung.“

Anleihen: Übergang der Wachstumsführerschaft an Europa und Schwellenländer

assets Magazin: Paul McNamara, GAM Investment Director für Emerging Markets Anleihen und Währungen
Paul McNamara, GAM Investment Director für Emerging Markets Anleihen und Währungen

Paul McNamara, Investment Director Emerging Markets Anleihen und Währungen: „Das erste Halbjahr wurde von den Entwicklungen in den USA dominiert. Das Wachstum beschleunigte sich wie erwartet. Worauf sich die Märkte aber wirklich konzentrierten, war die Reaktion der Fed. Wir hörten ein paar Mal von der Fed, aber zuletzt waren sie deutlich kämpferischer, obwohl es in gewisser Weise nicht aggressiv war. Ich denke das hat die allgemein positive Stimmung, die wir für Schwellenländerwährungen beobachten konnten, etwas getrübt. Schwellenländeranleihen hingegen hatten zu kämpfen, auch Anleihen in den wichtigsten Märkten. Grundsätzlich können wir feststellen, dass lockere monetäre Bedingungen in den Industrieländern für Schwellenländer unerlässlich sind, um sich gut entwickeln zu können. Die Aussichten für die nächsten zwölf Monate sind in dieser Hinsicht weiterhin recht positiv.“

„Derzeit gibt es aber ein großes Thema, und zwar eine Art Übergabe der Wachstumsführerschaft von den USA an Europa und die Schwellenländer. Der große fiskalische Impuls über den Anfang des Jahres alle sprachen, hat sich bereits sehr positiv ausgewirkt. Obwohl die fiskalischen Anstrengungen in den USA immer noch sehr groß sind, beginnt die tatsächliche Veränderung in diesem Stadium zu verpuffen, da wir in einen Zeitraum übergehen, in dem die Vergleiche gegenüber dem Vorjahr bereits einen Zeitraum nach Covid beinhalten. Wir werden mehr fiskalische Anstrengungen in Europa sehen. Wir werden auch die Auswirkungen der europäischen Impfkampagne sehen, die der Markt noch nicht wirklich antizipiert hat. Europa holt gegenüber den USA und Ländern wie Großbritannien oder Israel ziemlich schnell auf. Ich denke also, es gibt Gründe, Europa positiver zu sehen. Im Allgemeinen reagieren die Schwellenländermärkte recht gut auf Wachstum außerhalb der USA, da somit ein stärkerer Dollar weniger wahrscheinlich ist. Und wie wir wissen, haben die Schwellenländer in der Regel mit einem stärkeren Dollar zu kämpfen. Darüber hinaus erwarten wir, dass sich das Wachstum der Schwellenländer an sich gut entwickelt. Die Schwellenländer sind in erster Linie eine Wachstumsanlageklasse.

Wir haben in diesem Jahr auch eine Menge Bewegung bei den Rohstoffexporteuren, also Ländern wie Brasilien und Chile gesehen, da die chinesischen Wachstumszahlen sehr gut waren. Jetzt dürften wir jedoch einen größeren Beitrag von Ländern mit starkem verarbeitendem Gewerbe sehen, und von Ländern, die mehr Handel mit den Industrieländern als mit China betreiben. Das heißt insbesondere Mexiko und Indonesien, also Länder in denen die Inflation weiterhin niedrig ist und deren Zentralbanken denen der Industrieländer ein paar Schritte voraus sind. Wir erwarten, dass die Zinssätze eine gewisse Unterstützung für die Währungsstärke bieten, vor allem dort, wo die Zahlungsbilanz sehr solide aussieht. Dies ist neben dem Wachstum eine der Säulen, auf denen tendenziell eine Erholung der Schwellenländer aufbaut.“

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