Glänzende Zeiten

assets Magazin: Steffen Orben, Deutsche Börse Commodities
Steffen Orben, Geschäftsführer Deutsche Börse Commodities

Krisenwährung, Inflationsschutz, hohe Nachfrage: Experten erklären, weshalb Gold zu einer langfristigen Veranlagung gehört.

Macht es jetzt (noch) Sinn, in Gold zu investieren? Diese Frage stellen sich derzeit viele Anleger – und zwar nicht nur die ängstlichen. „Wir stehen vor einer goldenen Dekade“, ist Rudolf Brenner, geschäftsführender Gesellschafter von philoro Edelmetalle, sicher. Seiner Ansicht nach sind nämlich bereits die Ausläufer der Pandemie zu spüren: „Die Inflation ist gekommen, um zu bleiben, und leitet somit den Umkehrschluss beim Goldpreis ein.“ Gold sei im Vergleich zu Papiergeld nicht beliebig vermehrbar und hochliquide, betont Reinhard Walz, Leiter Vertrieb und Marketing bei Ögussa. Die Nachfrage nach dem Edelmetall ist weiterhin groß, berichtet auch Steffen Orben, Geschäftsführer der Deutsche Börse Commodities, die Xetra-Gold emittiert. „Wir verzeichnen stetige Zuwächse: Vor der Pandemie hatten wir 200 Tonnen Gold im Tresor, jetzt sind es mehr als 240 Tonnen.“ Und trotz des jüngsten Rückgangs beim Goldpreis seit dem Frühjahr hätten viele Anleger ihren Goldbestand aufgestockt – bei den Portfolios habe eine Reallokation stattgefunden.

Land in Sicht

Tatsächlich ist Gold erneut in aller Munde – auch wegen der Rücksetzer im laufenden Jahr. Dass der Goldpreis heuer ein wenig gelitten hat, führt Brenner teilweise auf die starken Aktienmärkte, andererseits auf die Inflationserwartung zurück. Aber der Preisnachlass macht die Experten nicht nervös: Es ist Land in Sicht und langfristig führe ohnehin kein Weg am Gold vorbei. Die entscheidende Frage lautet also: Welche Faktoren werden für die weitere Entwicklung des Goldpreises von Bedeutung sein? „Das wird für die nächste Zeit der Realzins in den USA und in den G7-Ländern sein, das war auch in den vergangenen Jahren der wichtigste Treiber“, erläutert Orben. Als zweiten Faktor sieht er die globale Nachfrage – und zwar einerseits bei Gold als Anlageklasse, andererseits in Bereichen wie Schmuckgold. In beiden Fällen sieht er eine weiterhin steigende Nachfrage. Und auch die Entwicklung bei der Goldproduktion trägt ihren Teil bei: „Insgesamt wird die Goldproduktion geringer werden – das gilt sowohl für die Minenförderung als auch für das Recycling.“ Das liegt in beiden Bereichen an den Nachhaltigkeits- und Klimazielen, die Unternehmen heute erfüllen müssen; die Produktionskosten werden dadurch steigen, meint Orben.

Bewährter Inflationsschutz

Und dann ist da ja noch die erwähnte Inflation – eignet sich Gold tatsächlich als Absicherung? „Über die Jahrzehnte gesehen ist Gold mit Sicherheit ein Inflationsschutz. Für die kurzfristige Absicherung ist dies aber schwieriger vorherzusagen“, sagt Orben. Inflation bedeute ja generell, dass Waren und Güter sowie deren Herstellung teurer werden – und dadurch wird eben auch die Herstellung von Gold teurer. „Weil Gold zum Warenkorb gehört, kann es Inflationsschutz bieten.“ philoro-Chef Brenner rechnet mit einem relativ hohen inflationären Umfeld. „Wir müssen uns wahrscheinlich an das Niveau von circa vier Prozent gewöhnen.“ Gold sei nicht nur als Inflationsschutz geeignet, sondern ist historisch gesehen eine der besten Inflationsabsicherungen. „Im Gegensatz zu Bargeld behält Gold in Krisenzeiten mit Inflation und Währungsreformen seinen Wert.“

Worauf sollten Anleger beim Gold nun konkret achten? „Wir empfehlen, in regelmäßigen Abständen das Portfolio zu kontrollieren, ein Anteil von fünf bis zehn Prozent Gold ist sinnvoll“, sagt Orben. Nicht zu vergessen: Für Anleger bleibt Gold alleine schon aus steuerlichen Gründen attraktiv, so ist keine Umsatzsteuer zu bezahlen. „Das ist ein großer Vorteil gegenüber Investments in Silber- bzw. Platin- oder Palladiumbarren“, erläutert Walz. Und wie sieht es mit Kryptowährungen bzw. -assets wie Bitcoin aus, die schon vielfach als neues Gold bezeichnet werden? Während diese nach Ansicht von Reinhard Walz keine Konkurrenz zu Gold darstellen, meint Steffen Orben: „Die Zeit wird zeigen, welche Kryptowährung sich als Reservewährung neben Gold und dem US-Dollar etablieren wird.“ Sie seien vor allem bei digital affinen Menschen beliebt. Und Rudolf Brenner weist darauf hin, dass Kryptowährung und Gold keinesfalls Konkurrenten sein müssen. „Ganz im Gegenteil, es können sich die beiden Assetklassen gut ergänzen.“ Die beiden Investments würden sich ja stark unterscheiden: „Gold ist ein beständiger Realwert, den ich angreifen kann und der den Schwankungsgrad im Portfolio schmälert.“ Krypto indes verhält sich sehr volatil – es sind also zwei divergente Klassen, die sich nicht miteinander vergleichen lassen.

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