Edelsteine versprechen üppige Renditen

assets Magazin: Thomas Schröck
Der Profi: Kaum jemand weiß so viel über Edelsteine wie Thomas Schröck. Sein Rat ist bei Investoren in ganz Europa gefragt.

Nicht alle Rubine sind rot, Diamanten nicht die teuersten Edelsteine und der Wertzuwachs von Saphiren lässt andere Investmentkategorien alt aussehen. Im Interview erklärt Gemmologe Thomas Schröck, worauf es beim Investment in rare Mineralien ankommt.

assets Magazin: Buch "Investieren in Edelsteine"
„Investieren in Edelsteine“ – Dr. Thomas Schröck; edition a Wien 2021
Ein Standardwerk für alle, die sich mit dem Thema näher beschäftigen wollen. Das Buch ist sowohl in gedruckter Form als auch als E-Book erhältlich.

Acht Jahre war Thomas Schröck alt, als ihm sein Vater einen Bergkristall schenkte – und damit eine Leidenschaft entfachte, die bis heute anhält. Seit mittlerweile mehr als 30 Jahren ist der promovierte Ökonom im Edelsteinhandel tätig, sein Unternehmen The Natural Gem ist gesuchter Partner für Investments in Juwelen und Edelsteine. Im Interview erklärt Schröck, warum ausgerechnet während der Pandemie der Wert der gesuchten Mineralien so rasant wuchs.

assets: Wie wird man zum Edelsteinhändler?
Thomas Schröck: Das theoretische Wissen eignet man sich mit einer Ausbildung an den besten Instituten der Welt an. Ich habe u. a. bei der Deutschen und der Schweizerischen Stiftung für Edelsteinforschung und bei Gübelin in Luzern Ausbildungen zum Gemmologen gemacht. Der Rest ist learning by doing. Ich bin seit 35 Jahren mit einer indischen Großhandelsfamilie in Kontakt und habe Zehntausende Steine gesehen.

Sie haben sich mit The Natural Gem auf den Handel mit naturfarbenen, unbehandelten Edelsteinen spezialisiert. Wo liegen die Unterschiede?
Schröck: Wenn Sie zu einem Juwelier gehen und 50.000 Euro für einen Rubinring auf den Tisch legen, dann hat dieser Rubin mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 99 Prozent keine Naturfarbe. Das liegt aber nicht daran, dass der Juwelier Ihnen etwas unterschieben möchte, sondern daran, dass das Angebot an sogenannten „schönen“ Edelsteinen geringer ist als die Nachfrage weltweit. Schon im Jahr 100 nach Christus, also zur Zeit des Römischen Reichs, soll man angeblich entdeckt haben, dass man Rubine und Saphire „brennen“ kann. Wenn man sie auf 1.700 Grad erhitzt, verändert sich bei manchen Steinen die Farbe zum Besseren. Es ziehen sich teilweise auch Unreinheiten zu Clustern zusammen, der Stein erscheint für das menschliche Auge reiner. Das versteht man in der Fachsprache als „Brennen“. Der Großteil der Edelsteine ist heute in dieser Weise behandelt. Unbehandelte Edelsteine sind viel seltener und steigen viel stärker im Wert. Ich habe 2008 als einer der Ersten in Österreich begonnen, diese Edelsteine zu handeln. 2010 haben Sotheby’s und Christie’s ebenfalls begonnen, die Ware in Naturfarbe und nicht Naturfarbe zu differenzieren. Das Dorotheum folgte kurz danach.

Vorher wurde nicht unterschieden?
Schröck: In der Fachwelt schon, für Investments in Edelsteine nicht.

Ab welchem Betrag kann man in Edelsteine investieren?
Schröck: Wir haben Steine für Probekäufe und Schmuck ab 300 Euro, bei einem Investment würde ich die Grenze bei 3.000 Euro pro Stein ansetzen.

Wo werden die Steine gelagert?
Schröck: Die meisten Kunden wollen sie zu Hause haben. Rund 95 Prozent der Steine, die wir verkaufen, sind beim Kunden. Ob diese dann in einem Bankschließfach gelagert werden, weiß ich natürlich nicht. Rund fünf Prozent der Kunden lagern Ihre Steine bei uns.

Würden Sie einen Tresor empfehlen?
Schröck: Natürlich, aber wir haben auch Kunden, die die Edelsteine zu Hause verstecken, und manche, die sie vergraben.

Sie vergraben die Edelsteine?
Schröck: Ja, mit einem Bäumchen drauf. Diese Kunden haben ihr Gold und ihre Steine vergraben. Das geht problemlos, Gold und Edelsteine erodieren nicht.

Welche Edelsteine eignen sich besonders gut als Investment?
Schröck: Unsere Blue Chips sind Rubin, Saphir und Smaragd. Diese Steine steigen am stärksten im Wert. Bei Saphir und Smaragd waren es in den letzten 26 Jahren durchschnittlich vier bis sechs Prozent per anno, bei Rubinen lag die Wertsteigerung bei acht Prozent per anno.

Sind Diamanten nicht wertvoller?

Schröck: Der Diamant ist nicht der Wertvollste, er wurde mittlerweile vom Rubin in guter bis sehr guter Qualität bei Weitem übertroffen. Der Diamant hat seit 2008 keine Performance, im Wert überhaupt nicht zugelegt. Der Rohdiamant-Markt wird von drei Großunternehmen beherrscht, die insgesamt einen Marktanteil von 77 Prozent haben. Diese Unternehmen haben die Möglichkeit, Menge und Preis zu bestimmen. Bei Rubin, Saphir und Smaragd gibt es viele kleine Minenbetreiber und Händler – und damit einen echten Markt.

In welchen Regionen werden Rubine, Saphire und Smaragde abgebaut?
Schröck: Es gibt zwei große Regionen: den Himalaya mit seinen Vor- und Nachgebirgen und den ostafrikanischen Grabenbruch mit der abgespaltenen Insel Madagaskar. Wenn man es nach Ländern clustert, dann sind das Burma, Tadschikistan, Afghanistan, Mozambique, Madagaskar. Der Blausaphir kommt in den gleichen Gegenden vor, nur dass in diesem Fall noch Sri Lanka dazukommt. Smaragd kommt vor allem aus Kolumbien, Sambia, Pakistan und Afghanistan.

Hat sich Covid auf den Markt ausgewirkt?
Schröck: Absolut. Wir haben zwischen März 2020 und März 2021 bei allen drei Edelsteinen ein Plus von 19,3 Prozent gesehen. Das war einer der deutlichsten Anstiege in der jüngeren Geschichte.

Woran liegt das?
Schröck: Wir merken, dass die Vermögen wohlhabender Menschen stark gewachsen sind. Wir haben immer weniger kleine Kunden, die 1.000 oder 2.000 Euro investieren. Es gibt drei Gruppen: jene, die sich für das Thema Edelsteine wenig interessieren, aber eine Diversifikation ihres Vermögens suchen und eine reale Wertbeimischung haben wollen. Für diese Kunden ist die Wertentwicklung wichtig. Die zweite Gruppe will raus aus Fiat Money, Negativzinsen und Verwahrgebühren etc. Die dritte Gruppe sucht eine Fluchtwährung, sie ist überzeugt, dass das System kollabiert. Diese Kunden suchen etwas Werthaltiges, das klein ist, leicht zu transportieren und nach dem erwarteten Crash leicht in eine neue Währung tauschbar ist. Der Edelstein hat die höchste Wertkonzentration. Ein mittelgroßer Rubin hat einen Wert von 650.000 Euro. Steine mit einem Gesamtgewicht von 40 Karat, also acht Gramm, haben einen Wert von einer Million Euro. Diese Wertkonzentration schafft nichts auf der Erde. Keine Gemälde und Gold ebenfalls nicht.

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