Die Wende

assets Magazin: Invest Gold - Steffen Orben
Steffen Orben, Geschäftsführer Deutsche Börse Commodities: "Ein Anteil von zehn Prozent Gold in einem ausgewogenen Depot ist sinnvoll. Bei Minenaktien sollte man allerdings vorsichtig sein."

Preiskorrektur als Chance für Gold-Einsteiger:
Physisches Gold steht derzeit hoch im Kurs. Auch Zentralbanken haben sich zuletzt wieder vermehrt eingedeckt

Die jüngste Sondermünze der britischen Münzprägeanstalt hat einen Durchmesser von nicht weniger als 20 Zentimetern – und ein Gewicht von zehn Kilo. Sie ist Teil der Kollektion „Queen’s Beast“, die die heraldischen Wappentiere der royalen Familie zeigt. Die Menschen, die die bisher größte Goldmünze der Royal Mint polierten, sonnten sich ganze vier Tage lang in ihrem Glanz – so lange brauchte es, bis sie makellos schimmerte.

Kein Zweifel, das gelbe Edelmetall zieht viele in seinen Bann. Auch Anleger. Wiewohl der Goldpreis von seinem Allzeithoch, das er im August 2020 bei mehr als 2.000 US-Dollar die Feinunze markiert hat, wieder abgerückt ist. Auf diesen Spitzenwert ist ein kontinuierlicher Abstieg bis März dieses Jahres gefolgt. Aber seitdem zeigt der Trend wieder nach oben. Mit einem Einstieg oder dem Zukaufen sollte man daher möglicherweise nicht allzu lange warten.

„Gold gilt seit jeher als Krisenwährung. Die Performance der letzten Jahre war mehr als beeindruckend“, erklärt Reinhard Walz, Marketing- und Vertriebsleiter bei der Ögussa Österreichische Gold- und Silber-Scheideanstalt Ges.m.b.H. In Euro ist der Preis von Anfang 2016 bis dato um fast 50 Prozent gestiegen. Den größten Goldhunger entwickelte 2020 der Investmentbereich – hier werden sowohl physisches Gold in Form von Münzen und Barren, aber auch goldbesicherte ETFs (Exchange Traded Funds, börsengehandelte Investmentfonds) hinzugezählt. Im Moment scheine es, als gäbe es Licht am Ende des Corona-Tunnels und die Sorgen hinsichtlich der Pandemie hätten etwas nach­­ge­lassen. Somit ist die Nachfrage nach „Krisenwährungen“ generell etwas zurückgegangen.

Zentralbanken kaufen zu

assets Magazin: Invest Gold - Reinhard Walz

„Kryptowährungen stellen in meinen Augen keine Konkurrenz zu Gold dar.“

– Reinhard Walz –
Leiter Vertrieb und Marketing, Ögussa

Vor Kurzem, im Februar 2021, wurden die Zentralbanken wieder zu Nettokäufern, berichtet die Lobby der Minenbetreiber, das World Gold Council (WGC). Gründe für vorangegangene Verkäufe waren etwa wirtschaftliche Schwierigkeiten eines Staates, eine erhöhte lokale Goldnachfrage oder Münzprägeprogramme. Gekauft wird Gold als Reservewährung oder auch für industrielle Zwecke. So ist China der weltgrößte Verbraucher von Industriegold. Das schimmernde Metall findet vor allem in der Elektro-, Wärme- und Nanotechnik sowie in der Mikroelektronik, Medizin und Optik Verwendung. Im Schnitt schlummern gut 30 Milligramm Gold in einem Handy.

Daneben spielt auch die Schmuckindustrie (vor allem in Indien) eine Rolle. Mehr als 80 Prozent des geförderten Goldes wird für die Herstellung von Schmuck verwendet. Da die Nachfrage nach Barren und Münzen auch in Europa anhält, erwarten Experten eine neuerliche Goldpreis-Rallye für Herbst dieses Jahres. „Letztlich geht es um die Verunsicherung der Bevölkerung und um das Vertrauen in Politik und Wirtschaft“, so Walz. „Reale Werte wie eben Gold erfüllen den Wunsch der Menschen nach Stabilität und Berechenbarkeit besonders gut“, ergänzt Christian Brenner von der philoro Edelmetalle GmbH.

Preisindikatoren

„Die wichtigen Kenngrößen für die Entwicklung des Goldpreises sind die langfristigen Zinsen und Realzinsen“, erklärt Steffen Orben, Geschäftsführer der Deutsche Börse Commodities. Entscheidend ist die Zinssituation in den USA und somit für den US-Dollar – jene Währung, in der Gold am größten Finanzplatz mit dem größten gehandelten Volumen notiert wird. Die Notenbanken versuchen, mit den niedrigen Zinsen die Wirtschaft zu stützen. „Derzeit sehen wir unter Berücksichtigung der Inflation vielerorts einen negativen Realzins – ein Treiber für den Goldpreis.“ In den Monaten davor sind die langfristigen Zinsen in den USA zwar angestiegen, aber die Inflation ist noch nicht angesprungen – dies habe den Goldpreis negativ beeinflusst. Aber US-Notenbankchef Jerome Powell bekräftigte zuletzt, dass die Federal Reserve gewillt sei, höhere Inflationsraten in Kauf zu nehmen, bevor sie die Zinsen anhebt – trotz der Hoffnung auf wirksame Corona-Impfstoffe. Dies stützt wiederum den Preis.

Das „neue Gold“?

assets Magazin: Invest Gold - Christian Brenner

„Gold ist ein stabiles ­Element. Kurzfristige ­Gewinne kann es aber nicht versprechen.“

– Christian Brenner –
philoro

Daher erleben Edelmetallhändler wie philoro hohe Nachfrage. „Wir sahen im ersten Quartal 2021 in allen Ländern, in denen wir tätig sind – also Österreich, Deutschland, Schweiz und Liechtenstein –, einen Umsatzrekord“, sagt Brenner. Gefragt seien Goldmünzen, wie etwa Philharmoniker und Krügerrand, aber auch Barren von einer Unze bis zu 250 Gramm und sogar auch Ein-Kilo-Goldbarren. Auch die Ögussa sieht eine „ungebrochen hohe Nachfrage nach Feingoldbarren“. Walz nennt als gängigste Größe den Goldbarren zu 100 Gramm: „Das ist preislich attraktiv und gewährleistet Flexibilität sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf.“ Zuflüsse gab es in diesem Jahr auch wieder an der Deutsche Börse Commodities in das Produkt Xetra-Gold.

Eine Renaissance erlebt Brenner zufolge auch Silber. Auch hier sind Finanzinves­toren besonders aktiv. Walz bestätigt das gestiegene Interesse für Silberbarren – gefragt sei hier die Stückelung von 1.000 Gramm. Das „neue Gold“ sehen so manche Anleger in Kryptowährungen. Tatsächlich meinen manche Marktbeobachter, dass der Goldpreis weit über 2.000 US-Dollar läge, gäbe es keine Bitcoins oder hätte sich der Bitcoin-Kurs nicht in schwindelnde Höhen geschraubt. Und tatsächlich verbindet diese beiden Anlagemöglichkeiten einiges: Beides ist nicht willkürlich vermehrbar, beides in der Gewinnung teuer. Und es gibt sogar für beides die gleiche Terminologie: Es ist jeweils vom Schürfen („Mining“) die Rede. Keine der beiden Anlageformen hat eine laufende Verzinsung. Während aber Gold auch als Industrieprodukt nachgefragt wird, ist eine Kryptowährung „eben nur die Währung ohne Zusatznutzen, und die kann schwanken“, so die Experten. Walz sieht daher Kryptowährungen nicht als Konkurrenz zu Gold.

Demokratisierung des Goldbesitzes

Was Gold darüber hinaus attraktiv macht: „Im Gegensatz zu allen anderen Edelmetallen wie zum Beispiel Platin sind Goldbarren und Goldmünzen aufgrund einer EU-Richtlinie von der Umsatzsteuer befreit. Selbst Kursgewinne sind nach einem Jahr Behaltefrist einkommenssteuerfrei. Bis zu einem Wert von 10.000 Euro kann man Gold sogar anonym kaufen“, macht Walz aufmerksam. Es ist daher wenig verwunderlich, dass so gut wie alle Vermögensberater dazu raten, ein Anlageport­folio mit einem gewissen Anteil – Orben rät zu zehn Prozent des Vermögens – Gold zu bestücken. Auch um das Risiko zu streuen, denn Gold korreliert wenig mit traditionellen Anlagemärkten. Am besten sollte man dies in unterschiedlichen Stückelungen angehen. Silber könne steuerfrei in größeren Mengen im Schweizer Zollfreilager von philoro gelagert werden.

Sparbücher oder Bausparverträge bringen bekanntlich kaum mehr Erträge, die Aktienmärkte sind für viele Anleger zu schwankungsfreudig. Bei philoro sieht man daher einen Goldsparplan als ideales Instrument für das langfristige Ansparen, zumal es auch für schmale Geldbörsen geeignet ist. Vor allem etwa für Eltern oder Großeltern, die für die Nachkommen langsam, aber sicher eine Zukunftsversorgung aufbauen wollen.

Für Orben bietet ein Gold-ETC, ein Exchange Traded Commodity, das Beste aus zwei Welten: Diese Inhaberschuldverschreibungen sind in aller Regel zu 100 Prozent mit physischem Gold besichert. Gleichzeitig ließen sich Gold-ETCs an der Börse so kosteneffizient und liquide handeln wie Aktien. Bei Xetra-Gold erwirbt der Käufer ein Gramm Gold der Feinheit 999,9 zum Großhandelspreis. Die Papiere verbriefen zudem das Recht des Anlegers auf Ausfolgung von Goldbarren in Höhe des Investments.

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