Auf Sicht fahren mit Multi-Asset-Lösungen

assets Magazin: Stil-Investment: Auf Sicht fahren

Unsichere Zukunft wegen Corona, schwache Konjunkturszenarien, Pleitewellen, politische Risiken und vor allem kaum Planbarkeit – all das macht Börsen volatil und Investoren nervös. Fondshäuser begegnen diesem Umfeld mit mannigfaltigen Strategien, allen voran mit Multi-Asset-Lösungen.

… heißt die Devise

Nachdem US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania die Welt über ihre Coronainfektion informiert hatten, reagierten die meisten Börsen zunächst mit kräftigen Ein­bußen, um sich später wieder vom Schock zu erholen. Solche heftigen Kursschwankungen gehören schon seit Wochen zum Tagesgeschehen. Und es könnte auch so bleiben. Nach Ansicht von Strategen müssen sich Aktieninvestoren auch im vierten Quartal auf deutliche Ausschläge an den Märkten einstellen. Gründe dafür gibt es laut Experten genug. 

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Thomas Loszach, Head of Austria & Eastern Europe, Fidelity International
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Uli Krämer, Leiter Portfoliomanagement KEPLER-Fonds KAG

Divergenzen, Marktverzerrungen, Bewertungen    

Während die US-Aktienmärkte bereits neue Allzeithöchststände zeigten, sind die Marktindizes in Europa, der Pazifikregion und den Schwellenländern davon noch ein Stück weit entfernt. „Abgesehen von dieser regionalen Divergenz gibt es weitere ungewöhnliche Detailaspekte. Zunächst ist der Auslöser der Wirtschaftskrise – die Covid-19-Pandemie – bis dato weiter auf dem Vormarsch. Auch ist noch kein effektiver Impfstoff ausreichend getestet worden und zugelassen. Die Unternehmensergebnisse werden wohl erst im Frühjahr 2021 wieder positives Wachstum aufweisen. Neben zahlreichen technischen Indikatoren und Stimmungsumfragen, die auf eine überkaufte Marktsituation bzw. eine schon überhitzte Anlegerstimmung hinweisen, sind zuletzt auch die politischen Risiken wieder angestiegen“, fasst Rainer Schnabl, Vorsitzender der Geschäfts­führung der Raiffeisen KAG, die kritische Lage zusammen. 

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Rainer Schnabl, Vorsitzender der Gesch.ftsführung Raiffeisen KAG

Uli Krämer, Leiter des Portfoliomanagements der KEPLER-Fonds KAG, ortet außerdem eine Mischung aus vielen teilweise widersprüchlichen Trends: „Da sind auf der einen Seite die sehr umfangreichen Stützungsmaßnahmen der Regierungen und Zentralbanken. Zudem gibt die noch sehr lange andauernde Nullzins- bzw. Negativzinspolitik Aktien, Unternehmensanleihen und Anleihen aus den Emerging Markets starken Rückenwind. Auf der anderen Seite nimmt der Gegenwind durch stei­gende Coronaneuinfektionen, teilweise ex­trem hohe Bewertungen im IT-Sektor, die Ungewissheit rund um den Brexit und die bevorstehende US-Wahl zu.“

Die Fragen, die Anleger in diesen schwierigen Zeiten beschäftigen, sind also vielfältig. Für das Investmenthaus Columbia Threadneedle Investments ergeben sich vor allem drei Punkte. „Erstens, wie sich die Konjunktur entwickeln wird, insbesondere die weitere Erholung nach dem Coronaschock. Zweitens geht es darum, was dieses Umfeld für die Entwicklung der Unternehmensgewinne bedeutet. Drittens fragen sich Anleger, wie die aktuellen Bewertungen am Kapitalmarkt einzuordnen sind“, meint Herbert Kronaus, Country Head Österreich. 

Die Strategen von Fidelity International beobachten weitere Themen, mit denen sich Investoren auseinandersetzen müssen. Dazu zählen Marktverzerrungen, ein steigender Einfluss des Staates sowie die Rolle der Inflation. „Die expansive Geldpolitik hatte einen positiven Einfluss auf die Realwirtschaft. Problematisch ist, dass die massiven Hilfsmaßnahmen den wahren Zustand der Wirtschaft verzerrt haben und wir diesen daher nicht genau kennen. So verringern künstlich am Leben gehaltene Zombi-Unternehmen die Transparenz weiter“, bemerkt Thomas Loszach, Head of Austria & Eastern Europe. Wenn es um Inflation geht, so glaubt Loszach, dass die diesbezüg­liche Gefahr in den nächsten Jahren zunehmen wird, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die Globalisierung wegen protektionistischer Tendenzen an ihre Grenzen stößt und wieder mehr lokal produziert wird – mit Implikationen für Investoren. „Wenn nämlich die Inflation steigt, die Zinsen sich vorerst aber kaum bewegen, stünde den Realzinsen zunächst ein Absturz ins Negative bevor. Umso größer muss für Anleger die Rendite sein, um inflationsbereinigt das gleiche Ergebnis zu erzielen.“ 

All das spricht für Aktieninvestment 

Die DWS ist der Überzeugung, dass es langfristig, angesichts der weiter ultralockeren Geld­politik der Notenbanken und der wegen der Konjunkturprogramme zur Bekämpfung der Folgen der Coronapandemie steigenden Haushaltsdefizite der Staaten, keine Alternative zu Aktien gibt. Zwar mahnen die Bewertungen, die wieder die Stände aus der Jahrtausendwende erreicht haben, zur Vorsicht. Werner Painsy, Head Retail Asset Management Austria & CEE, hat dafür aber eine plausible Erklärung: „Die Aktienmarkt-Rallye der vergangenen ­Monate wurde vor allem von den Unternehmen mit digitalen Geschäfts­modellen getragen. Deren überdurchschnittliche Wertentwicklung ist darauf zurückzuführen, dass sie zu den klaren Gewinnern der ­Coronakrise gehören. Aber auch schon vor der Pan­de­mie war Wachstum angesichts der vergleichsweise geringen gesamtwirtschaftlichen Dynamik ein auf wenige Unternehmen konzentriertes knappes Gut. Daher hatten wenige digitale Champions schon länger die besondere Wertschätzung der Investoren genossen. Vor diesem Hintergrund dürfte dann auch der Umkehrschluss zutreffen, dass mit den divi­dendenstarken Substanzwerten ein wesentlicher Teil des Aktienmarkts eher zu niedrig bewertet ist.“

Wie der Trend bei den Aktienkursen weitergeht, hängt laut Nordea Investment Funds davon ab, zu welchen Bereichen die Aktien zählen. „Das große Thema ist das Auseinanderdriften von Growth- und Value-Aktien am Markt. Wir sehen eine historische Schere, ähnlich wie im Jahr 2000. Eine Korrektur wird geradezu erwartet“, ist Johannes Rogy, Head of Sales Central & Eastern Europe, überzeugt und spricht damit die historisch hohe Bewertung der Wachstumstitel an. Abgesehen davon ist ein zweiter Lockdown jedenfalls nicht in den Börsenkursen eingepreist, darin sind sich die Finanzprofis einig. 

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Johannes Rogy, Head of Sales Central & Eastern Europe, Nordea Investment Funds: „Korrektur zu erwarten.“
assets Magazin: Multi-Asset-Lösungen - Werner Painsy
Werner Painsy, Head Retail Asset Management Austria & CEE, DWS: „Teil des Aktienmarktes ist zu niedrig bewertet.“ 

Krisengewinner, Nachhaltigkeit, Corporate Bonds 

Wie bei den meisten Krisen gibt es Verwerfungen, die Herausforderungen, aber auch Chancen für Investoren bieten. Für Fidelity International ermöglichen eine breite Streuung bei Regionen, Sektoren und Unternehmen sowie ein aktives Investieren, langfristige Wertschöpfung aus Investitionen in die Gewinner der Krise zu erzielen. „In Zeiten fehlender Planbarkeit und hoher Volatilität bieten sich für langfristig denkende Anleger Income- bzw. Multi-Asset-Lösungen an. Viele Unternehmen schütten weiterhin Dividenden aus und erhöhen diese auch. Wir suchen attraktiv bewertete Titel, die ein robusteres Geschäftsmodell aufweisen und auch unter schwierigen Bedingungen relativ günstige Dividendenaussichten bieten. Bei unseren Multi-Asset-Lösungen nutzen wir die hohe Flexibilität in einem sich ändernden Marktumfeld. Nachhaltige, laufende Erträge und attraktive, risikoberichtigte Renditen über den vollen Konjunkturzyklus sollen durch eine geeignete Anlageklassen- und Allokationsauswahl erreicht werden“, sagt Thomas Loszach und verweist auf den Fidelity Funds – Global Multi Asset Income Fund A-ACC-EUR. Auch Werner Painsy rät Anlegern zu Multi-Asset-Lösungen. Denn man solle „auf Sicht“ fahren, um Risiken zu minimieren. „Das lässt sich beispielsweise mit solchen Strategien bewerkstelligen, die je nach Marktlage flexibel in unterschiedliche Anlageklassen investieren können. Viele dieser Produkte der DWS haben sich schon in der „heißen Phase“ der Coronakrise bestens bewährt. Zu nennen ist hier unser Flaggschifffonds DWS Concept Kaldemorgen oder für noch risikoaversere Anleger der DWS Invest Conservative Opportunities, beides Mischfonds mit integriertem Risikomanagement.“ Eine gute Antwort auf die aktuelle Lage sind dagegen laut Johannes Rogy liquide Alternative Funds, also Multi-Asset-Produkte mit Abso­lute-Return-Ansatz, wie die Nordea 1 – Alpha Family (N1-Alpha 7 MA, N1-Alpha 10 MA, N1-Alpha 15 MA), deren Ziele in der Maximierung einer bestimmten Gesamt­rendite unter Berücksichtigung einer definierten angestrebten Volatilität bestehen. 

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Herbert Kronaus, Country Head Columbia ­Threadneedle Investments: „Fraglich, wie Be­wertungen am Kapitalmarkt einzuordnen sind.“

Bleibende Veränderung

Für Painsy hat die Coronakrise zu gesamtgesellschaftlichen Veränderungen geführt, die über das Ende der Pandemie hinaus andauern dürften. Nicht nur digitale Geschäftsmodelle und der Gesundheitssektor sollten davon profitieren. „Daneben haben die staatlichen und supranationalen Konjunkturprogramme zumeist einen Schwerpunkt bei Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz. Dies sollte beispielsweise erneuerbaren Energien und der Elektromobilität zugutekommen. Und schließlich hat das Virus gezeigt, wie schlechte Arbeitsbedingungen zum Entstehen einer Pandemie beitragen. Daher sollte verstärkt Geld in Anlagestrategien fließen, bei denen Umwelt- und Sozialstandards entscheidende Auswahlkriterien sind.“ Passend zu diesen Chancen verfügt die DWS über dementsprechende Fonds, wie etwa über den auf künstliche Intelligenz spezialisierten Aktienfonds DWS Artificial Intelligence, den Aktienfonds DWS Invest ESG Equity Income, dessen Portfoliounternehmen sich durch hohe Umwelt- und Sozialstandards auszeichnen und gleichzeitig eine überdurchschnittliche Dividendenrendite aufweisen. Megathemen wie Bildung oder Technologien zum Klima- und Umweltschutz bilden hingegen den Anlageschwerpunkt des Aktienfonds DWS Invest SDG Global Equities.

Langfristige Trends

Qualitativ hochwertige Wachstumsunternehmen mit dauerhaften Wettbewerbsvorteilen und einem vernünftigen, hohen Gewinnwachstum stehen auch bei Columbia Threadneedle Investments hoch im Kurs – weil sie sich schon in einem ähnlichen Umfeld nach der Finanzkrise bewährt haben. „Gut möglich, dass es diesmal ähnlich sein wird. Denn sie profitieren von langfristigen Trends wie Cloud Computing, der Verbreitung wissensbasierter Geschäftsmodelle mit geringem Kapitalbedarf und der alternden Bevölkerung. Diese starken Trends dürften sich trotz der Coronakrise weitgehend ungehindert fortsetzen. Angesichts dessen dürften Aktien solcher Unternehmen langfristig besser abschneiden als der breite Markt. Daher setzen Portfoliomanager David Dudding und sein Team mit dem Threadneedle (Lux) Global Focus auf globale Champions – und das bereits seit April 2013 sehr erfolgreich.“ Aussichts­reiche Hidden Champions aus der zweiten Reihe haben dagegen der Threadneedle (Lux) Global Smaller Companies und der Threadneedle (Lux) American Smaller Companies im Fokus.

Die Raiffeisen KAG bevorzugt ihre nachhaltig gemanagte Produktpalette, wie ­Rainer Schnabl betont. „Mit dem Raiff­eisen-Nachhaltigkeit-Aktien, dem Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Momentum und dem Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix haben wir, neben anderen Produkten, drei Publikumsfonds, die von ihrer Ausrichtung her die besten Voraussetzungen für ein gutes Abschneiden haben und dies auch in der Praxis tun.“ 

Neben den drei Strategie-Fonds KEPLER Mix Solide/Ausgewogen/Dynamisch, deren Asset-Allokation dynamisch und aktiv mithilfe der Marktpsychologie gesteuert wird, verlässt sich die KEPLER-Fonds KAG auf eine bewusst defensive Strategie, und zwar auf ihren bewährten Minimum-Varianz-Ansatz. „Er ermöglicht weniger Schwankungen bei langfristig adäquaten Ertragschancen. Einzelwerte aus nicht zyklischen Branchen wie Nahrungsmittel, Gesundheitswesen, Telekommunikation oder Versorger sind bei diesem Fondskonzept, das z. B. im KEPLER-Risk-Select-Aktienfonds angewendet wird, deutlich stärker gewichtet als Aktien aus zyklischen Branchen. Der Vorteil: Starke Kurseinbrüche werden besser abgefedert“, erläutert Uli Krämer. 

Für Investmentprofis gilt aber nach wie vor: In ein gut diversifiziertes Portfolio gehören neben Aktien auch Anleihen, auch wenn es im Niedrig- bzw. Negativzins­umfeld schwieriger geworden ist, chancenreiche Anleihen mit überschaubarem Risiko zu finden. Doch es gibt sie, vor allem im Bereich Unternehmensanleihen mit Investmentgrade- bzw. Hochzins-Ratings – wie etwa in den Anleihefonds Threadneedle (Lux) Global Corporate Bond, DWS Invest Euro High Yield Corporates oder den neuen Laufzeitenfonds Raiff­eisen-Mehrwert-2026. 

Lohnt der Einstieg?

In Zeiten niedriger Zinsen, volatiler Märkte und zunehmender politischer Risiken raten viele Experten, das Investment zu streuen und aktiv zu steuern. „Was bedeutet, die Aktienquote im Portfolio entsprechend zu erhöhen oder zu reduzieren, um die Ertragschancen zu steigern oder Risiko aus der Veranlagung zu nehmen. Das erfordert detaillierte Marktkenntnisse und einen beachtlichen zeitlichen Aufwand“, erklärt Raiffeisen-KAG-Chef Rainer Schnabl. Eigentlich ist jetzt die beste Zeit für Fondsinvestments, vor allem für Anleger, die für vernünftige Anlagestrategien weder Nerven noch Zeit haben.   ←

Copyrights: © Fidelity International, KEPLER Fonds KAG, Pia Morpurgo, Raoul Somers, Columbia Threedneedle Investments, DWS

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