Grüne Pioniere

Nachhaltigkeit ist ein Modewort geworden – aber nicht für jene österreichischen Unternehmen, die in Sachen Klimaschutz und Bioproduktion zu den Vorreitern in Europa zählen.

Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Umweltbewusstsein – diese Begriffe kommen auch in der Wirtschaft immer häufiger zum Einsatz. In Nachhaltigkeitsberichten, beim Produktmarketing oder in Presseaussendungen wird eine grüne Einstellung beschworen. Doch nicht immer ist es leicht, zwischen gutem Willen, Verkaufsoffensive und echtem Engagement zu unterscheiden. Für etliche österreichische Unternehmen ist aber kein Richtungswechsel nötig, um sich grün zu geben: Firmen wie Sonnentor, Team 7, Grüne Erde, Greenonetec waren immer schon mit diesen Themen beschäftigt, haben ihr Geschäftsmodell auf erneuerbare Ressourcen ausgerichtet und waren auf diesem Weg erfolgreich.

Zu den Vorreitern in der Möbelbranche gehört beispielsweise Team 7. „Wir waren schon öko, als Biomöbel noch out waren“, sagt Georg Emprechtinger, der 1999 zunächst die Geschäftsführung des oberösterreichischen Herstellers und in den folgenden acht Jahren das Unternehmen komplett übernommen hat. Die Naturholzmöbel von Team 7 werden heute in 35 Länder exportiert, die Exportquote liegt bei mehr als 85 Prozent. „Anfangs wurden wir noch belächelt, heute zollt man uns für unseren konsequent grünen Weg höchsten Respekt“, sagt Emprechtinger. Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, öko­logische Kreisläufe und effiziente Produktionstechniken sind die Grundpfeiler der Firmenphilosophie, sagt er. „Und die sind fest in unserer DNA verankert, alle betrieblichen Entscheidungen werden nach diesem Codex geprüft.“

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Georg Emprechtinger, Team 7:
Der Weltmarkt­führer für Premium-Vollholzmöbel weiß, dass der grüne Weg nicht immer der einfachste ist.

Die Wurzel des Erfolgs

Das Unternehmen ist heute Weltmarktführer für Premiummöbel aus Massivholz – die Bäume dafür kommen zum Teil aus dem eigenen Wald – und hat 2020 rund 101 Millionen Euro umgesetzt. Wie war diese grüne Erfolgsgeschichte möglich? Es sei gelungen, die Produkte nicht über den Preis, sondern über die Begehrlichkeit zu vermarkten, sagt Emprechtinger. „Im Laufe unserer Firmengeschichte wäre es sicherlich manchmal einfacher gewesen, Teile der Produktion zu verlagern oder auf günstigere Materialien zurückzugreifen.“ Rückblickend sei aber genau dieser gerade Weg die Wurzel des Erfolgs. „Wir arbeiten permanent an Optimierungen und haben damit auch unsere Möbel konstant besser gemacht.“

Der Sonnen-König

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Robert Kanduth:
Seine Firmen Green­onetec und Kioto Solar wachsen weiter rasant. Werden Sie zur AG umgewandelt?

Seit drei Jahrzehnten ist der Kärntner Robert Kanduth im Bereich der erneuerbaren Energie tätig – und zwar gleich mit zwei Unternehmen: Greenonetec ist auf Solarthermie spezialisiert, Kioto Solar auf die Fotovoltaik. „Wir haben in dieser Zeit viele Mitbewerber verloren“, schmunzelt er. In den beiden Unternehmen werden in St. Veit insgesamt 450 Mitarbeiter beschäftigt, verkauft wird direkt an rund 300 Industriekunden in 45 Ländern.

Derzeit steckt Kanduth rund 8,5 Millionen Euro in die Verdreifachung der Produktionslinie. „Wir werden dann die modernste Fertigung in Europa haben.“ Vor Kurzem hat der Solarpionier Greenonetec-Anteile von der chinesischen Haier-Gruppe zurückgekauft. „Ich habe das Unternehmen zweimal verkauft und zweimal wieder zurückgekauft. Es ist einfach angenehm, wenn ich selbst entscheiden kann.“

Die Fotovoltaik ist nicht aufzuhalten, meint Kanduth und denkt an weitere Standorte in Deutschland, Frankreich und Polen. „Politische Weichenstellungen und das starke Interesse von Firmen und Privathaushalten sorgen für einen Boom, wir stehen da gerade erst am Beginn.“ Es gäbe „riesige freie Flächen für die Fotovoltaik“, nicht nur auf Dächern, sondern etwa an den Seiten von Autobahnen oder Naturflächen, die nicht von der Landwirtschaft genutzt werden dürfen. Auch bei der Solarthermie ist weiteres Wachstum geplant. „Seit Kurzem gibt es neue Förderungen, das wird enorme Auswirkungen haben.“ Wachsen will Kanduth also auf jeden Fall – die Frage wird eher sein, wie das Wachstum logistisch bewältigt werden kann. „Aus heutiger Sicht ist es unwahrscheinlich, dass sich ein großer Konzern bei uns beteiligt. Eine Umwandlung in eine AG hingegen will ich nicht ausschließen.“

Kräuter-Kraft

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Johannes Gutmann – Sonnentor

Mit der Kraft der Sonne arbeitet auch der Waldviertler Kräuter- , Tee- und Gewürze­spezialist Sonnentor. Das 1988 gegründete Unternehmen hat heute in Österreich und Tschechien rund 480 Mitarbeiter. Gründer Johannes Gutmann ist auf einem kleinen Bauernhof im Waldviertel auf­gewachsen. „Ich weiß, wie meine Eltern gewirtschaftet haben. Wir sind alle satt geworden, wir haben im Kreislauf gewirtschaftet.“ Als er sich selbstständig gemacht hat, war für ihn klar, dass es eine Kreislaufwirtschaft in der Betriebswirtschaft gibt. „Und wenn nicht, dann ist es höchste Zeit, danach zu handeln.“ Damals wurde er dafür belächelt. „Man hat mich Spinner genannt – heute ist es Trend.“ Mit Produkten aus biologischer Landwirtschaft will Gutmann „Genuss und gutes Gewissen in jedes Haus bringen“. Nachhaltigkeit bedeutet für ihn aber mehr als ein Biopickerl auf der Verpackung: „Das Wohl­ergehen der Mitarbeitenden, direkte Beziehungen zu den Partnerinnen und Partnern sowie Maßnahmen gegen die Klimakrise – all das ist für uns selbstverständlich und darauf vertrauen auch unsere Fans.“ Wer in Kreisläufen denkt und handelt, bleibt erfolgreich – davon ist der Sonnentor-Gründer überzeugt.

„Am Anfang wurde ich Spinner genannt – heute ist Kreislaufwirtschaft Trend.“

– Johannes Gutmann –
Sonnentor

Duplizierte Visionen

Niemals vom Weg abgekommen sind auch Sigrid und Gerhard Zoubek, die den Biohof Adamah im Marchfeld (Niederösterreich) betreiben – Haushalte in und um Wien werden mit den Bioprodukten von ihrem landwirtschaftlichen Betrieb beliefert. „Weder meine Frau noch ich sind gelernte Bauern“, erzählt Gerhard Zoubek. „Vor 23 Jahren haben wir uns die Frage gestellt, wie man Biolandwirtschaft sinnvoll umsetzen kann. Damals war dieses Thema noch kaum bekannt.“ 40 der insgesamt 70 Hektar Flächen wurden auf bio umgestellt, der Vertrieb war von Anfang an Bestandteil des Plans. Wobei: „Wir hatten keinen Businessplan, aber mit unserer großen Vision gearbeitet – und wenn die Zeit für eine solche Vision reif ist, dann klappt es auch.“ Heute zählt ihr Biohof zu den Vorbildern, nicht nur, wenn es um die Erzeugung, sondern auch den Vertrieb von Bioprodukten geht: Erntefrisches Gemüse kommt vom Feld ins sogenannte Biokistl und wird dann CO2-neutral nach Hause geliefert.

„Als wir 2000 gestartet haben, waren es 60 Kunden, heute beliefern wir 8.500 Haushalte“, erzählt Zoubek. Ein Vorteil ist die Lage vor den Toren Wiens. In dem Unternehmen arbeiten mittlerweile die Kinder der Zoubeks mit, insgesamt werden 150 Mitarbeiter in verschiedenen Betrieben – allesamt hundertprozentige Tochterfirmen – beschäftigt. „Für die Zukunft überlege ich, in welchem Format wir unsere Vision sinnvoll duplizieren oder standardisieren könnten, etwa über Franchising. Das Potenzial dafür ist jedenfalls vorhanden“, meint Zoubek.

Grüne Welle

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Werner Lampert:
Schuf mit „Ja! Natürlich“ und „Zurück zum Ursprung“ zwei der bekanntesten Biomarken. Heute berät er Unternehmen.

Zu den Vorreitern in Sachen Nachhaltigkeit zählt in Österreich auch Werner Lampert, der mit „Ja! Natürlich“ (Rewe) und „Zurück zum Ursprung“ (Hofer) zwei der bekanntesten Biomarken lanciert hat. Schon seit den 1970ern hat sich der Vorarlberger mit biologischem Anbau und Bioprodukten beschäftigt. Heute berät Lampert mit seinem Consultingunter­nehmen Firmen bei der Entwicklung und Einführung von Nachhaltigkeitsstandards. Als grüner Pionier darf auch Grüne Erde bezeichnet werden: Das Unternehmen aus Scharnstein im Almtal verkauft unter anderem Möbel, Matratzen, Heimtextilien, Kleidung und Kosmetikartikel aus nachhaltiger Produktion, im Vorjahr wurde trotz Corona der Umsatz um mehr als 16 Prozent auf rund 66 Millionen Euro gesteigert. Derzeit plant die Firma einen „Grüne Erde-Campus“ auf dem Gelände eines alten Sensenwerks direkt am Almfluss. Aber auch in Bereichen, in denen man nicht sofort an Nachhaltigkeit denken würde, gibt es Möglichkeiten, etwas zu tun. Das beweist Elisabeth Kolarik, die das gesamte Angebot ihres Restaurants Luftburg im Wiener Prater auf bio umgestellt hat – von der Stelze bis zum Fruchtsaft kommt heute alles mit einer Bio-Zertifizierung auf die Tische.

Enkeltaugliche Zukunft

Nachhaltigkeit habe viel mit Generationengerechtigkeit zu tun, meint Team-7-Chef Georg Emprechtinger. „Uns liegt es am Herzen, als Unternehmen dafür Sorge zu tragen, dass den nachfolgenden Generationen ihre Lebensgrundlagen erhalten bleiben.“ Dazu gehöre der sorgsame Umgang mit der Natur, aber auch die soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern. „Entscheidend ist, dass man die ganzen Bemühungen auch tatsächlich misst und transparent offenlegt“, ergänzt Sonnentor-Gründer Gutmann. „Das schaffen wir dank der Gemeinwohlökonomie.“ Ähnlich denkt Gerhard Zoubek vom Biohof Adamah: „Heute hängt sich jeder einen grünen Mantel um. Mir ist wichtig zu wissen, was meine Handlungen und Entscheidungen auslösen. Ich will mir nicht von meinen Enkelkindern die Frage stellen lassen, was ich denn für unsere Welt getan habe.“ Dass Bio-denken einen größeren Stellenwert hat, freut ihn. „Wenn Lebensmittel zu billig sind, zahlt jemand drauf: Menschen in der Dritten Welt, die Umwelt oder die Tiere.“ Jedes Bio­pro­dukt sei gut, weil es die Umwelt weniger belastet. Mehr Direktvermarktung wäre indes wünschenswert: Da Bioerzeugnisse zum Geschäft für die großen Handelsketten wurden, sei es wichtig, die Menschen dahinter zu zeigen. „Unsere Bioprodukte mit Biografie erzählen eine Geschichte, und dahinter stehen Menschen, die an ihrer Entstehung beteiligt sind.“ Und für Johannes Gutmann steht fest: „Je mehr Menschen erkennen, dass wir im Einklang mit unserer Umwelt leben sollten, desto besser sind unsere Chancen für eine enkeltaugliche Zukunft.“

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