Erst die Autos, dann der Wein

assets Magazin: Burkard Bovensiepen, Alpina Wein
Burkard Bovensiepen mit seinen beiden Söhnen Florian (links) und Andreas: edler Wein und edle Autos als Beruf und Hobby gleichermaßen.

Ein erfolgreicher kleiner Automobilhersteller kann nebenbei durchaus zu einem der größten Weinhändler reifen, zu einem der besten sowieso.

Weil die väterliche Schreibmaschinenfabrik schon Alpina hieß, behielt Burkard Bovensiepen den Namen einfach bei, als er 1962 seine ersten leistungssteigernden Tuningsätze für den BMW 1500 ausheckte: So wurden dank Alpina aus 80 PS deren 90, und jede gute Werkstätte hatte die 40er-Weber-Doppelvergaser, den Luftfilter von Knecht und schnörkellos gerade Ansaugkanäle in zwei Stunden installiert. Die Leistungssteigerung kam zum perfekten Zeitpunkt, denn BMW stellte 1963 dem 1500er den 1800 zur Seite – ab Werk 90 PS stark und daher ein bisserl eine Beleidigung für die bisherige Kundschaft, die plötzlich nur den zweitbesten BMW fuhr.

Also applizierte Burkard Bovensiepen eifrig Flugblätter unter den Scheibenwischern geparkter BMW 1500, die Nachfrage nach seinen Leistungssteigerungen brummte, und weil er die Kundschaft von BMW elegant zufriedenstellte, hatte der Hersteller auch gar nichts gegen die Alpina-Anlage einzuwenden. Die Werksgarantie blieb aufrecht, die Zusammenarbeit zwischen BMW und Alpina auch, und zwar bis heute.

Burkard Bovensiepen, Jahrgang 1936 und gemeinsam mit seinen Söhnen Florian und Andreas bis heute Chef der Firma, darf man sich durchaus mit den Wesenszügen eines Patriarchen vorstellen, aber mit originellen Ideen und sprühendem Geist. So zeichnete er dem Firmenwappen keineswegs Burgen und rassige Tiere ein, sondern Ansaugtrichter und eine Kurbelwelle; die Firmenfarben sind bis heute Blau und Grün, weil sie auf verkaufsfördernd auffällige Art nicht ganz geschmeidig harmonieren. Seit 1983 ist Alpina als eigenständiger Hersteller eingetragen, BMW liefert die Basis für die bis ins letzte Detail perfekt verfeinerten und leistungsstarken Automobile.

Um Autos aber geht es in dieser Geschichte gar nicht.

Sondern um Wein, freilich um hervorragenden, und das kam so: Weil Burkard Bovensiepen bei frühen Renneinsätzen gerne sein Team bekochte und der Mensch zu gutem Essen auch etwas Gutes trinken mag, fand er in den 70ern schnell die besten Adressen der besten Winzer. Wenn Wein schmeckt, nimmt man gerne ein paar Flaschen mit heim, und irgendwann waren die privaten Vorräte viel zu üppig zum Selbertrinken. Seither ist Burkard Bovensiepen auch Weinhändler, der gut eingeführte Name Alpina passte auch zu diesem Geschäftszweig. Manchmal können Erfolgsgeschichten so einfach sein.

Weinhandel seit 1979

Diese hier beruht auf Fachwissen und Liebe, wie sie einander bei Fans im Lauf der Zeit hochzwirbeln: Früh lernte Burkard Bovensiepen italienische Weine schätzen, die als Tafelweine galten, aber deutlich mehr kosteten – sie waren entgegen einstiger Lehrmeinung unter Verwendung von Cabernet Sauvignon entstanden, also als Cuvée italienischer mit einer französischen Rebsorte, und wollten länger ihrer Trinkreife entgegenruhen. Bovensiepen konnte sich die Vertriebsrechte etlicher Winzer sichern, auch deshalb, weil sich andere Händler durch die Titulierung als Tafelweine hatten abschrecken lassen. Sie werden sich in der Folgezeit noch ziemlich in den Hintern gebissen haben.

Das Geschäftsmodell von Alpina Wein beruht aber auch auf Geduld, wie sie sich eben ergab mit dem erfolgreichen Automobilgeschäft und einem weichen finanziellen Polster im Hintergrund: Heute lagern bei Alpina mehr als eine Million Flaschen Wein, die Lieferanten kommen aus den besten Weinbaugebieten der Welt, das Lager ist groß, die dort herrschenden Bedingungen sind perfekt (zehn bis zwölf Grad Celsius, 70 Prozent Luftfeuchtigkeit, und das Licht wird nur eingeschaltet, wenn jemand bei der Tür reinkommt), und es ist für den Fortbestand des Unternehmens nicht essenziell, den Wein schnell zu verkaufen. So wird aus dem bloßen Handeln ein durchaus marktsteuerndes Investment, denn Alpina kauft junge Weine zum günstigsten Zeitpunkt direkt vom Winzer, also nur aus bekannten und seriösen Quellen. Dann darf der Wein im eigenen Lager der Trinkreife entgegenruhen, und verkauft wird gerade so viel, dass sich die treuen Kunden freuen und die Preise nicht darunter leiden. Restaurants der Spitzengastronomie kaufen gerne, ausgesuchte Weinhändler sowie private Weinliebhaber und Sammler.

assets Magazin: Alpina Weinkeller
Eine Million Gebinde steht zum Verkauf – oder wird noch ein wenig zurückgehalten.

Von Luft und Gebinden

Alpina Wein bietet eine reiche Auswahl an Flaschengrößen, von 0,375 bis sechs Liter. Und damit beeindruckende Jahrgangstiefe: Man kann die gleiche Sorte in vielen Reifegraden erwerben, die nicht nur vom Jahrgang bestimmt wird, sondern auch von der Flaschengröße: In kleinen Flaschen reift der Wein schneller, es liegt am Verhältnis von Wein zu Luft im Gebinde. Man darf Wein also in großen Flaschen für etliche Jahrzehnte einlagern. Und aus einer kleinen Flasche verkosten, wie der Wein in der größeren in etlichen Monaten schmecken wird. Oder in etlichen Jahren, Geduld gehört zum genießerischen Umgang mit Wein einfach dazu.

Positive Überraschungen freilich auch. So wird es Weinliebhaber geben, die jetzt erstaunt sind, dass Alpina auch etwas mit Automobilbau auf höchstem Niveau zu tun hat.

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