Digitale Assets

assets Magazin: Digitale Assets von Bitpanda
BU: Paul Klanschek, Eric Demuth und Christian Trummer sind die Gründer von Bitpanda.

Von Bitcoin zu Gold, das österreichische Fintech-Unternehmen Bitpanda hat sich zur führenden Plattform für digitale Assets in Europa gemausert und will mit Venturecapital weiter expandieren.

Wir schreiben das Jahr 2014. Die Bitcoin-Welt ist geschockt. Am 28. Februar dieses Jahres meldet in Japan Mt.Gox, eine der damals weltweit größten Bitcoin-Börsen, Insolvenz an. Gleichzeitig muss das Unternehmen eingestehen, dass 850.000 Bitcoins verschwunden sind. Drei Wochen später tauchen zwar 200.000 Bitcoins wieder auf, der entstandene Schaden bleibt dennoch enorm: 260,4 Millionen Euro – auf Basis des Bitcoin-Schlusskurses vom Tag der Insolvenz. Die bis dahin so heile Bitcoin-Welt ist nachhaltig erschüttert. Der Kurs der Kryptowährung, der sich allein im zweiten Halbjahr 2013 mehr als versechsfacht hat, bleibt lange Zeit unter Druck und verabschiedet sich aus dem Annus horribilis mit einem Minus von mehr als 50 Prozent. 

Das 52-Millionen-Investment

Schauplatzwechsel: Wien, am 28. 11. 2014: Neun Monate nach den Ereignissen in Japan wird am Wiener Handelsgericht die Firma Coinimal GmbH mit der Firmenbuchnummer FN 423018 k ins Firmenbuch eingetragen. Geschäftszweig: entgeltliche Annahme und Abgabe von Bitcoins. Gründungskapital: 35.000 Euro, wovon 10.000 als gründungsprivilegierte Stammeinlage eingebracht werden.

Zeitsprung: Wien, am 29. 09. 2020: Eine kleine Bombe aus der VC-Szene sorgt für jede Menge Rauschen im virtuellen Blätterwald. Der ORF titelt online: „52 Mil­lionen Dollar für Wiener Kryptofirma Bitpanda“. Finance Forward, das Magazin für die neue Finanzwelt, wie es sich selbst nennt, weiß gleich mehr und titelt: „Hinter­gründe zur Megarunde von Bitpanda: ‚Wir wollen zum Robinhood Europas werden.‘“ Starke Ansage, die der Redakteur da den Bitpanda-Mannen in den Mund legt, im Text selbst fällt sie in dieser Form jedenfalls nicht. Egal, locker flockige Sprüche gehören in der Berichterstattung über die Fintech-Start-up-Welt zur Tagesordnung. Von Unicorns ist da etwa die Rede, und die Frage wann man denn nun endlich ein Unicorn sei, motzt jeden Bericht auf. Zur Erklärung: Unicorns sind Start-up-Unternehmen, die es bereits vor ihrem Börsengang oder einem Exit auf eine Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar bringen. Sei es, wie es ist, Eric Demuth, einer der beiden Bitpanda-Geschäftsführer, gibt sich in seinem Unternehmensblog, in dem er auch vom Einstieg der Investoren berichtet, etwas bescheidener. Am Ende bedankt er sich artig bei seinem „fantastischen Team, für das Vertrauen der Partner und Investoren und den unglaublichen Support der Community.“

Apropos Team – dieses soll mit dem Geld der Investoren um mehr als 70 Personen ausgebaut werden, sodass am Ende des Jahres an die 300 Mitarbeiter für Bitpanda tätig sind. Gesucht wird so ziemlich alles, wie ein kurzer Blick auf die Jobseite von Bitpanda beweist: vom Accountmanager über einen Head of Development bis zum Blockchain Engineer und zu Web Frontend Developern. Nicht zu vergessen die Bereiche Finance sowie Legal & Compliance, wo ebenfalls Personal gesucht wird. Expansion ist angesagt.

So weit, so gut. Bleibt letztlich die Frage, was Bitpanda eigentlich genau macht. „Zahlungsdienstleister“ würde man in der alten, analogen Welt sagen. Bitpanda ist bei der FMA registriert und verfügt über eine sogenannte PSD2-Zahlungsdienstleister-Lizenz. In Österreich sind gerade einmal sechs solche Zahlungsinstitute von der Finanzmarktaufsicht lizensiert, nimmt man jene aus dem EWR-Raum dazu, wächst die Zahl auf 14, wovon allerdings vier zu American Express gehören. 

Alles wird virtuell

Und davon kann man leben bzw. eine ­Expansion fahren, die sich „gwoschn hot“, wie man es im südlichsten der österreichischen Bundesländer, aus dem übrigens der zweite Bitpanda-Geschäftsführer Paul Klanschek ursprünglich stammt, aus­drücken würde. Ja, scheint so, zumindest wenn man seine Dienste im virtuellen Raum anbietet und sich auf den Handel von digitalen Assets spezialisiert. Wobei digitale Assets längst nicht mehr „nur“ Krypto­währungen wie Bitcoin, Litecoin, Tezos oder Ethereum meinen, sondern auch Gold, Silber, Platin oder Palladium beinhalten, die über die Bitpanda-Plattform erworben werden können. Physisches Gold? Ja, und irgendwie doch wieder nein, denn in Wahrheit erwirbt man natürlich nicht Goldmünzen oder Barren, die man dann abholen kann, um sie unterm Kopfkissen oder im eigenen Tresor zu deponieren, sondern einen Gold-Token, mit dem man dann wieder handeln kann. Ein Gold-Token, der in etwa einem Gramm Gold entspricht und Ende September zu einem Kurs von 51,71 Euro auf der Plattform gehandelt wurde. Das Gramm Gold selbst ist bei Bitpanda-Partnern eingelagert. Will man das Gold wieder verkaufen, so ist das natürlich jederzeit möglich – über die Bitpanda-Plattform, versteht sich. Natürlich fallen beim Kauf und Verkauf der Gold-Token Gebühren an. So wird etwa beim Kauf ein Aufschlag von 0,5 Prozent verrechnet, beim Verkauf ein Prozent. Jeder Trade ist also ein Geschäft für Bitpanda. Allerdings: Wenn man diese Gebühren den An- und Verkaufskursen von traditionellen Goldhändlern gegenüberstellt, so sind sie doch günstiger. Mit dem kleinen Nachteil natürlich, dass man sich am „Glanz“ des gekauften Goldes nie wirklich ergötzen kann, weil es irgendwo in der Schweiz eingelagert ist.

Schnäppchen in Häppchen

Gold und die restlichen derzeit erhält­lichen Edelmetalle werden wohl nicht die einzigen aus der „realen“ Welt bekannten Assets bleiben, die bei Bitpanda gehandelt werden. Tatsächlich ist es durchaus vorstellbar, dass selbst der Wert von teuren Immobilien irgendwann „tokenisiert“ – wie es so schön heißt – wird. In Paris wurde ein entsprechendes Geschäft mit der 6,5 Millionen Euro teuren Villa Anna bereits Mitte 2019 über die Bühne gebracht. Bis es so weit ist und „tokenisierte“ Immobilien tatsächlich wie Bitcoins gehandelt werden können, wird es allerdings noch dauern. Warum? Um den tatsächlichen Transfer zu vereinfachen, muss noch eine ganze Reihe von gesetzlichen Rahmenbedingungen geändert werden. Für Handelsplattformen wie Bitpanda könnte dies aber ein erfreuliches Geschäft werden. Bis dahin gilt es, den europäischen Krypto-Währungsmarkt weiter zu beackern, um die Community auszubauen.

Übrigens, erinnern Sie sich noch an den Anfang der Geschichte? Die bei Mt.Gox 2014 verschwundenen Bitcoins sind aktuell fast sechs Milliarden Euro wert. Was einmal mehr beweist, dass Schocks an Börsen meist nicht von langer Dauer sind.

Last, but not least noch ein kleines PS für alle, die sich jetzt fragen, was die Gründung der Firma Coinimal mit der ganzen Geschichte zu tun hat: Coinimal ist der ehemalige Name von Bitpanda. Gegründet wurde sie von Eric Demuth, Paul Klanschek (beide heute CEOs) und dem CTO Christian Trummer.   ←

Copyrights: © Bitpanda

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